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30.8.1963: Das "Rote Telefon"
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Oktober 1962: Die Sowjetunion will auf Kuba Atomraketen installieren. Der Kalte Krieg droht zu eskalieren. Die beiden Weltmächte USA und Sowjetunion finden erst kurz vor der drohenden Eskalation Mittel, die Krise zu beenden. Was offenbar fehlt, ist ein Instrument, unkompliziert und rasch miteinander zu kommunizieren. Am 30. August 1963 wird deshalb ein "Heißer Draht" zwischen Moskau und Washington installiert, genannt das "Rote Telefon".

Die Kuba-Krise

Die Kuba-Krise dauert nur 13 Tage. Ihr Auslöser ist die Entdeckung von sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba. Die USA beschließen daraufhin den Seeweg nach Kuba zu blockieren. Als sowjetische Schiffe und U-Boote weiter auf Kuba zusteuern, scheint der Dritte Weltkrieg unausweichlich. Ein sowjetisches Atom-U-Boot wird mit Granaten zum Auftauchen gezwungen, ein Flugzeug der US-Amerikaner über Kuba abgeschossen.

US-Präsident Kennedy und Staatschef Chruschtschow drohen die Kontrolle über die Militärs zu verlieren. Auch als sie sich endlich einig sind, sind die in Stellung gegangenen Militärs das noch lange nicht. Andreas Etges, Professor für Nordamerikanische Geschichte am JFK-Institut der Freien Universität Berlin sagte dazu: "Es war dann sogar am Schluss so, dass, als die Sowjetunion dem amerikanischen letzten Angebot zugestimmt hat, dies über Radio Moskau verkündet wurde, weil alle anderen Wege, die es damals gab, zum Teil einen halben Tag oder noch länger gedauert hätten."

Neue Kommunikationsmöglichkeit

Beide Mächte beschließen die Einrichtung eines sogenannten "Heißen Drahtes", einer "hotline", damit die Staatsführungen ohne Umwege miteinander sprechen können. Man einigt sich darauf, eine direkte Fernschreibeverbindung zwischen den USA und der UdSSR zu errichten, um im Krisenfall eine schnelle Klärung herbeiführen zu können. Dazu Prof. Andreas Etges: "Die bisherigen Kommunikationsmechanismen hatten zum Teil einen halben Tag oder noch länger gedauert. Das war in Krisenzeiten, die ja auch nach der Kubakrise nicht ausgeschlossen waren, viel zu lang, weil in dieser Zeit eben Dinge passieren konnten, die beide Seiten nicht gewollt hätten. Deswegen die Entscheidung, eine solche schnelle Telegrafenverbindung aufzustellen."

Die Verbindung wird über London, Kopenhagen, Stockholm und Helsinki gelegt, parallel dazu verläuft eine Funkverbindung über Tanger in Marokko. Um die Übertragung vor unerwünschten Lauschern zu schützen, werden die Botschaften verschlüsselt übermittelt.

Zum Testen der Leitungen bedient man sich eines sogenannten Pangramms, eines Satzes der alle Buchstaben des Alphabets enthält: "The quick brown fox jumps over the lazy dog" – "Der schnelle braune Fuchs springt über den faulen Hund". Prof. Andreas Etges erläuterte den Hintergrund: "Das war ein amerikanischer Satz, der die Russen, als der zum ersten Mal da ankam etwas irritiert hat. Der Hintergrund dieses Satzes ist, dass der alle Buchstaben des Alphabets und dann eben alle Zahlen hat und noch nen Sinn ergibt als Satz. Aber wie gesagt, die russischen Techniker, die den zum ersten Mal sahen, waren zunächst etwas verwirrt."

Der erste Einsatz

Am 30. August 1963 wird die Direktverbindung zwischen Moskau und Washington eröffnet, allerdings wird sie vier Jahre nicht gebraucht. Der damalige US-amerikanische Verteidigungsminister Robert McNamara beschreibt in seinen Erinnerungen dann den ersten Einsatz des "Roten Telefons": "Am 5. Juni traf ich wie gewöhnlich um sieben Uhr morgens im Pentagon ein. Kaum eine Stunde später klingelte das Telephon, und eine Stimme meldete sich: "Hier spricht General ‚Smith’ im War Room. Der General sagte: "Premierminister Kossygin ist am ‚heißen Draht’ und möchte den Präsidenten sprechen. Was soll ich ihm sagen?"
"Warum rufen Sie mich an?" wollte ich wissen.
Weil der ‚heiße Draht’ im Pentagon endet", erwiderte er.
Ich wusste nicht einmal, dass die dazugehörigen Fernschreiberleitungen unter meinem Büro endeten. Dem General beschied ich: "Stellen Sie das Gespräch in den Lagerraum im Weißen Haus durch, und ich rufe den Präsidenten an."

Mythos "Rotes Telefon"

Das "Rote Telefon" hilft in der Folge viele weitere Krisensituationen zu entschärfen. Es dient auch heutzutage noch als direkte Kommunikationsverbindung zwischen Regierungen. So unterhält zum Beispiel die USA mittlerweile auch einen "Heißen Draht" zu China.

Dass es sich dabei um ein "Rotes Telefon" handelt, ist allerdings ein Mythos, wie Prof. Andreas Etges erläuterte: "Was man mit dem "Roten Telefon" meint, ist eine schnelle Kommunikations- und direkte Kommunikationsverbindung zwischen Washington und Moskau, also zwischen dem damaligen Kreml-Chef und dem US-amerikanischen Präsidenten, um schnell miteinander kommunizieren zu können. Das war aber ursprünglich und ganz lange kein Telefon, und schon gar kein rotes, sondern eine Telegrafenverbindung."



   
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