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29.8.2005: "Katrina" zerstört New Orleans
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New Orleans ist eine Stadt voller Lebensfreude. Hier ist die Wiege des Jazz und vieler weiterer musikalischer Richtungen. Zur Stadt an der Golfküste gehören aber auch tropische Wirbelstürme. Die Menschen der Region haben gelernt mit ihnen zu leben – bis zum 29. August 2005: Hurrikan "Katrina" und die ihm folgende Flutkatastrophe verwüsteten New Orleans fast vollständig. Es war die bislang schlimmste Naturkatastrophe in den Vereinigten Staaten.

Der durch den Hurrikan "Katrina" obdachlos gewordene Tony Jackson berichtete später: "Unser Haus wurde in zwei Teile zerlegt. Wir waren auf den Dachboden geflüchtet. Meine Frau wurde mir aus den Händen gerissen. Sie sagte: Du kannst mich nicht halten, kümmere Dich um die Kinder und Enkel. Jetzt weiß ich nicht wohin, ich habe alles verloren."

Unfassbare Dimension

Am 24. August entwickelte sich bei den Bahamas ein tropischer Sturm, der von den Meteorologen den Namen "Katrina" bekam. Der Hurrikan riss in Florida neun Menschen in den Tod, ehe er über Mississippi, Alabama und Georgia tobte. Bevor er New Orleans erreichte, steigerte sich "Katrina" im Golf von Mexiko mit Windgeschwindigkeiten von 280 km/h auf die Höchststufe fünf der Safir-Simpson-Skala.

Kurz vor New Orleans schwächte sich Katrina auf Stufe drei ab. Die Lage der Stadt machte die Situation dennoch kritisch. New Orleans ist durch den Mississippi, den Golf von Mexiko und den Lake Pontchartrain an drei Seiten von Wasser umgeben - und es liegt zu großen Teilen unterhalb des Meeresspiegels. Die Flutwellen setzten 80 Prozent des Stadtgebietes unter Wasser.

Louisianas Gouverneurin Kathleen Blanco prophezeite bereits am Tag nach der Katastrophe: "Das wird eine schwere Zeit für alle unsere Bürger, die betroffen sind. Die Dimension ist unfassbar."

Katastrophale Katastrophenhilfe

Etwa 1,3 Mio. Menschen konnten das Gebiet rund um New Orleans rechtzeitig verlassen. Für annähernd 60.000 Menschen wurde das Louisiana Superdome, ein Football-Stadion in New Orleans, zum rettenden Zufluchtsort. Da es keine öffentliche Versorgung der Opfer gab, plünderten viele die Geschäfte, um an Lebensmittel zu kommen - das Kriegsrecht wurde über New Orleans verhängt.

Zwei Tage nach der Katastrophe ließ sich der damalige US-Präsident George W. Bush am 31. August, über das Krisengebiet fliegen. Er versprach schnelle Hilfe: "Ich möchte, dass die Leute dort wissen, dass wir ihnen helfen werden, wenn der Sturm vorüber gezogen ist."

Die "New York Times" kritisierte jedoch kurz darauf das schlechte Krisenmanagement der Regierung. Nur zu offensichtlich hatten nicht alle in der Stadt die gleichen Chancen. Während die Wohlhabenden aus der überwiegend weißen Mittelschicht mit eigenen Autos fliehen konnten, warteten viele Mittellose, darunter viele Einwanderer und Farbige, vergeblich auf Busse. Verantwortlich dafür war unter anderem New Orleans Bürgermeister Ray Nagin.

Doch am 1. September war es eben dieser Ray Nagin, der alle Beteiligten mit einem emotionalen TV-Interview wachrüttelte: "Kriegt eure Ärsche hoch und tut etwas; lasst uns dieser gottverdammten größten Katastrophe in der Geschichte dieses Landes Herr werden. Die Menschen sterben. Sie haben kein Zuhause."

Traurige Bilanz

Einen Tag nach diesem Appell kam US-Präsident Bush zum Shakehands nach New Orleans. Der Kongress stellte 10,5 Milliarden US-Dollar Soforthilfe zur Verfügung. Mit einem Schaden von etwa 125 Milliarden Euro war "Katrina" der "kostspieligste" Wirbelsturm, der die USA je heimsuchte. Offiziell wurden 1.836 Tote bestätigt, etwa 3.200 Personen gelten noch immer als vermisst.



   
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