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24.6.1948: Beginn der Berlin-Blockade
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"Es liegt eine Insel im roten Meer, und die Insel heißt Berlin, und die Brandung geht hoch, und der Wind geht schwer, und die dunklen Wolken zieh'n", heißt es im Insulanerlied von Günter Neumann poetisch über die Insel-Lage Berlins.

"In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1948 hat sich die Sowjetunion entschlossen, die Zugangswege zu Lande und zu Wasser zwischen den Westzonen und den Westsektoren Berlins zu blockieren. Es war also absolut kein Verkehr mehr möglich - dass heißt, die Bevölkerung in den Westsektoren Berlins, etwa 2.200.000 Menschen, waren von jeder Nahrungsversorgung abgeschlossen", erzählt Heinz-Gerd Reese, Geschäftsführer der Stiftung Luftbrückendank in Berlin. "Die Blockade Berlins ist nicht vom Himmel gefallen, sondern sie war die Antwort der Sowjetunion auf die Einführung der D-Mark in den Westzonen. Schon am 26. Juni sind die ersten Flugzeuge mit Lebensmitteln nach Berlin geflogen."

In der Versammlung zur Errichtung der alliierten Luftbrücke sagte damals hierzu Ernst Reuter, der damalige Oberbürgermeister von Berlin: "Wir begrüßen die Luftbrücke. Es ist eine ungeheure, eine gewaltige technische Leistung."

Im 60-Sekunden-Takt

Doch was genau hat man sich unter dieser "gewaltigen technischen Leistung" vorzustellen? Heinz-Gerd Reese beschreibt sie: "Auf dem Höhepunkt dieser Aktion, am 16. April 1949, sind im Abstand von etwa 60 Sekunden die Flugzeuge in Berlin gestartet und gelandet."

Und was wurde transportiert? "Es gab Fahrradreifen, Windeln, Trockenkartoffeln, Mehl. Wir haben ein ganzes Kraftwerk hier in Berlin, das Stück für Stück während der Blockadezeit mit dem Flugzeug nach Berlin gebracht wurde, das heute in Erinnerung an den damaligen Oberbürgermeister Reuter-West heißt." Dieses Kraftwerk in Berlin-Spandau feierte am 23. Oktober 1948 Richtfest. Ein Reporter berichtete damals: "Das blockierte Berlin hat heute seinen Ehrentag. Denn der größte, nach dem Zusammenbruch in Angriff genommene Neubau feiert heute Richtfest."

Kein Preisgeben der Stadt

Als symptomatisches Bild für die Notlage einer gesamten Stadt sieht dabei Reese die Rede Ernst Reuters am 9. September 1948 auf dem Platz der Republik: "Dazu ist vielleicht bezeichnend die berühmte Rede von Ernst Reuter am Reichstag, der riesige Platz vor dem Reichstagsgelände ist übersät von unzähligen Menschen, da sind 500.000 Menschen zusammengekommen, um ihren Oberbürgermeister zu hören."

"Ihr Völker der Welt, Ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien, schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt", sagte damals Ernst Reuter.

Das Ende der Blockade und ein Anfang

Erst ein knappes Jahr nach ihrem Beginn wurde die Berlin-Blockade wieder aufgehoben. Reese dazu: "Man weiß, dass der UNO-Sicherheitsrat sich mit der Frage der Blockade Berlins beschäftigt hat, man weiß, dass der amerikanische und der russische Außenminister miteinander gesprochen haben, dass dann Einigkeit erzielt wurde, dass am 12. Mai 1949 die Blockade Berlins beendet wird."

Die Reportage über die Ankunft des ersten LKW aus der Bundesrepublik vom Zonenübergang Dreilinden bestätigte den historischen Augenblick: "In Dreilinden, dem Endpunkt der Autobahn Helmstedt-Berlin: Der erste deutsche Lastkraftwagen aus den Westzonen passiert hier die Zonen und die Sektorengrenze am Schlagbaum, lang erwartet, und das erste Fahrzeug, ein Lastwagen mit Anhänger, ist damit auch Sieger des Lastwagenrennens von Helmstedt nach Berlin." Folgendes Gespräch führte daraufhin der Reporter mit dem Fahrer des LKW: "Das ist der Fahrer, wo kommt er her?" "Braunschweig." "Und nun das wichtigste: Was hat er uns mitgebracht?" "Gurken." "Darauf freuen wir uns, Gemüse haben wir lange nicht gehabt."

Für Reese ist damit der Nutzen der Berlin-Blockade eindeutig: "Ohne die Blockade Berlins und ohne die erfolgreiche Antwort mit einer Luftbrücke wäre die gesamte politische Entwicklung in Deutschland, in Europa, im NATO-Bündnis völlig anders gelaufen, als sie sich tatsächlich entwickelt hat. In Berlin ist der Anfang dafür gesetzt worden, dass aus Feinden Freunde wurden. Dass aus Gegnern politische Unterstützer wurden, die erkannt haben, dass sie ein gemeinsames politisches Ziel haben, nämlich die Freiheit in einem demokratischen Rechtsstaat."



Autorin: Christina Bergmann
   
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