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26.8.1978: Jähn: Der erste Deutsche im All
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Im Sprachgebrauch der damaligen DDR-Propaganda kam das Wort "Deutscher" so gut wie nicht vor. Ein Deutscher war entweder "Bürger der DDR" oder "Bürger der BRD". Als am 26. August 1978 der Oberleutnant der Luftwaffe der DDR Sigmund Jähn in den Weltraum flog, sprachen jedoch auch DDR-Offizielle vom "ersten Deutschen im All". Jähn wurde zum "Helden des Sozialismus" stilisiert, sein Flug als Sieg der DDR über die BRD gefeiert.

Wettrennen im All

Sputnik, Juri Gagarin, die Mondlandung – das Wettrennen im All gehörte zum propagandistischen Teil des Kalten Kriegs. Um die enormen Kosten dieses Wettrennens besser zu schultern, legte die Sowjetunion 1967 das Kooperationsprogramm Interkosmos auf. Die sozialistischen Bruderstaaten wurden an der Entwicklung der hochwertigen Raumfahrttechnik beteiligt, trugen aber auch einen Teil der Kosten.

Als Anfang der 1970er-Jahre bekannt wurde, dass die NASA Raumflüge mit ausländischen Astronauten plante, zog Interkosmos nach. Noch vor den US-Amerikanern nahmen die Russen Raumfahrer aus anderen Ländern mit. Der Erste war im März 1978 der Tscheche Vladimir Remek. Die DDR-Oberen zeigten sich düpiert, dies meinte auch Gerhard Kowalski, Autor des Buches "Die Gagarin-Story": "Die DDR-Regierung war sicherlich beleidigt, weil sie sich für den besten Verbündeten der Sowjetunion hielten. Für mich gibt es im Grunde die Erklärung, dass der Remek, der heißt ja Vladimir, aus der slawischen Familie kommt, dass die möglicherweise gesagt haben: uns ist das slawische Hemd näher als der – nun, deutsche Rock."

Volksheld Jähn

Als am 26.8.1978 Sigmund Jähn an Bord der russischen Sojus 31 startete, war er der dritte Interkosmonaut und der erste Deutsche im All. Acht Tage dauerte sein Flug, auf dem er zahlreiche medizinische und geologische Experimente durchführte. Sigmund Jähn sagte später dazu: "Was ich eindeutig sagen kann, dass die Russen genau drauf geachtet haben, da keinen militärischen Touch reinkommen zu lassen. Wir hatten einen Ausweis, der uns als Mitglieder der Akademie der Wissenschaften auszeichnete. Wir hatten nichts, was auch nur irgendwie in Richtung militärischer Kosmos ging, Die wollten sich da nicht am Zeuge flicken lassen. Was sie gemacht haben, haben sie mit eigenen Leuten gemacht."

Während Jähn im Osten als Volksheld gefeiert wurde, fand sich in der westdeutschen Presse auch Häme. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb: "Zum ersten Mal wird im Weltraum deutsch gesprochen, wenn auch mit sächsischem Akzent, was die Sache gleich wieder ins Komische zieht, so dass wir sie nicht ganz so ernst nehmen müssen. Der erste richtige Deutsche soll schließlich erst 1980 mit einem amerikanischen Spacelab-Raumschiff in den Weltraum fliegen."

Ostdeutsch, westdeutsch, gesamtdeutsch

Der erste Westdeutsche im All war im November 1983 Ulf Merbold an Bord der Columbia. Er war zugleich der erste Nicht-Amerikaner auf einem Spaceshuttle. Dass ein Ostdeutscher vor den Westdeutschen im All war, blieb ein Politikum, meinte auch Sigmund Jähn: "Das war schon ein Ziel ins Weltall zu fliegen und die Erde von der Seite zu sehen. Aber doch nicht der erste Deutsche im Weltall zu sein, das hat überhaupt keine Rolle gespielt."

1984 lernten sich Merbold und Jähn in Österreich kennen. Fünf Jahre später, nach dem Zusammenbruch der DDR, war es Merbold, der den von der Bundesrepublik bereits ausgemusterten Jähn für die Weltraumprogramme der DLR und ESA vorschlug.

Mit seinem Wissen bereitete Jähn die nunmehr gesamtdeutschen Raumfahrer Ulf Merbold, Thomas Reiter und Klaus-Dietrich Flade auf ihren Flug zur russischen Weltraumstation Mir vor. Sigmund Jähn sagte später: "Ich wüsste nicht, dass wir ernsthafte Begegnungsschwierigkeiten hatten. Natürlich haben wir uns unterhalten über die deutschen Geschichte und das deutsche Schicksal, was uns ja auch getrennt hatte. Klaus Flade, der dann 1992 geflogen war, war ja im Grunde auch Flugzeugführer der Bundeswehr. Das heißt, wir hätten uns auch theoretisch vom Himmel holen können, was zum Glück nicht passiert ist."



   
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