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20.8.1964: Erste deutsche Entwicklungshelfer
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In den 1950er-Jahren erlebte Westdeutschland ein Wirtschaftswunder. Entscheidenden Anteil daran hatten die Hilfen aus den USA. Der sogenannte Marshall-Plan ermöglichte den Wiederaufbau der zerstörten Städte und Industrie. In den 1960er-Jahren beschloss die wirtschaftlich blühende Bundesrepublik, etwas von dieser erlebten Solidarität anderen Staaten wiederzugeben: Bonn schickte die ersten Entwicklungshelfer nach Tansania.

Die institutionellen Rahmenbedingungen der Entwicklungshilfe waren schon Anfang der 1960er-Jahre geschaffen worden. Professor Michael Bohnet, pensionierter Ministerialrat des 1961 gegründeten Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erläuterte später dazu: "Der Deutsche Entwicklungsdienst wurdeein Jahr vor der Entsendung der ersten Entwicklungshelfer nach Tansania gegründet und zwar in Anwesenheit des US-Präsidenten Kennedy, des damaligen Bundespräsidenten Lübke, des Bundeskanzlers Adenauer und auf Initiative das ersten Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit Walter Scheel."

Ziele

Ziel des Deutschen Entwicklungsdienstes, DED, sollte sein, die deutsche Exportkraft in den Entwicklungsländern zu fördern. Das waren allerdings nicht die einzigen Ansprüche, die an den DED gestellt wurden. Prof. Andreas Eckert, Afrikaexperte der Humboldtuniversität Berlin sagte zu den Motiven: "Die politischen Motive waren fast noch stärker – auf der einen Seite hieß es, das Deutschland auch wieder in der internationalen Politik sichtbar mitspielen kann, und zweitens hieß es natürlich auch im Kalten Krieg politisch Flagge zu zeigen."

Die US-Amerikaner schickten zumeist Generalisten ohne Berufsausbildung in die Entwicklungsländer. Die Bundesrepublik ging einen eigenen Weg und setzte auf besonders gut geschulte Helfer, wie Professor Michael Bohnet erläuterte: "Unser Ansatz war, Handwerker mit Berufserfahrung in die Entwicklungsländer zu schicken. Die Entwicklungshelfer hatten vorher Swahili gelernt, um sich besser in die kulturellen Hintergründe einfügen zu können."

Nach Tansania

Insgesamt 110 Entwicklungshelfer wurden schließlich am 20. August 1964 in einer offiziellen Feier nach Tansania verabschiedet. Dass es ausgerechnet nach Tansania ging, war kein Zufall. Das junge Land unter dem damaligen Präsidenten Nyerere galt weltweit als Modell für eine sinnvolle Verknüpfung aus Marktwirtschaft und Sozialismus. Hier konnte die Bundesrepublik ohne großes Risiko beweisen, dass es nicht nur kapitalistische Staaten unterstützte, sondern schlicht für die Hilfe am Menschen ein stand. Zudem gab es historische Gründe, wie Professor Michael Bohnet erklärte: "Man hat in Tansania deshalb begonnen, weil Deutschland traditionell große Beziehungen hatte, denn es war ja mal unter dem Namen Tanganjika deutsche Kolonie."

Entwicklungen

Heute ist die anfängliche Euphorie der deutschen Entwicklungshilfe längst nüchternem Pragmatismus gewichen. Tansania ist nach wie vor ein Entwicklungsland. Vor allem die Armut stellt in Afrika nach wie vor ein kaum zu lösendes Problem dar. So resümiert der pensionierte Regionalleiter des DED, Klaus Dieter Seidel: "Es gab damals die Vorstellung des "Trickle-Down-Effekt", das heißt wenn man irgendwo Prozesse in Gang setzt, dass das dann schon nach unten durchtröpfelt und die Armut dadurch beseitigt wird. Nach fast 50 Jahren im Geschäft zeigt sich jedoch, dass trotz all unserer Bemühungen das nicht so einfach stattfinden kann."

Der Ansatz deutscher Entwicklungspolitik hat sich seit 1964 stark verändert. In den Anfangsjahren waren die Programme auf die konkrete Hilfe vor Ort ausgerichtet, während die aktuellen Maßnahmen strukturelle Hilfsprogramme unterstützen. In über 45 Partnerländern gibt es mittlerweile zahlreiche Hilfsprojekte. Der DED ist zu einem der größten Personalentsendedienste weltweit gewachsen.


   
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