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7.8.1883: Joachim Ringelnatz geboren
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In der Reihe der deutschen Dichter trifft die Leserschaft nicht gerade häufig auf Köpfe mit Humor. Eine der wenigen Ausnahmen ist Joachim Ringelnatz. Erika Fischer, Vorsitzende der Joachim Ringelnatz Stiftung, zu der auch das Ringelnatz-Museum in Cuxhafen gehört sagte über ihn: "Ich glaube, dass Joachim Ringelnatz mir sehr gefallen hätte. Er ist ein vielseitiger Mensch gewesen, geprägt auch durch seine vielen verschiedenen Beschäftigungen, Berufe die er gehabt hat. Ich glaube, dass er kauzig war, sehr witzig und charmant, aber von großer Ausstrahlungskraft, so wird er ja auch beschrieben, wenn er die Bühne betrat. Aber ich glaube, dass er auch sehr verletzlich gewesen ist, rundum ein liebenswerter Mensch."

Mit über 35 Berufen zum Tausendsassa

Hans Böttichers Vater ist dichtender Musterzeichner für eine Tapetenfabrik, die Mutter, Tochter eines Sägewerksbesitzers, entwirft Stickmuster für Puppenkleider. Als Hans vier Jahre alt ist zieht die Familie nach Leipzig, wo der Vater freier Schriftsteller wird. Die Schulzeit ist für Bötticher ein Graus. Sein Abgangszeugnis bescheinigt ihm, ein Schulrüpel ersten Ranges gewesen zu sein. Sein Weg ins Leben führt auf See. Schiffsjunge ist der erste von knapp 35 Berufen, die er ergreifen wird. Dazu Erika Fischer: "Ich bin überzeugt, dass sein Leben sehr aufregend gewesen ist. Die schwierige Jugend, dann die Seefahrt und die vielen verschiedenen Berufe. Aber dann natürlich die Hinwendung nach der Zeit des Ersten Weltkrieges, die Entscheidung nur noch Künstler zu sein unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz, dann in den lebhaften 1920er-Jahren."

Vom Schiffsjungen führt sein holpriger Lebensweg über abgebrochene Lehren und Gelegenheitsarbeiten zum Marineoffizier und erst dann zum Dichter und Vortragskünstler. Ab 1919 wird aus Hans Bötticher schließlich Joachim Ringelnatz. Doch er begnügt sich nicht mit dem Schreiben und Vortragen, wie Erika Fischer erklärt: "Er war nicht nur Dichter. Er hat auch gemalt. Er hat Cabaret gemacht, so ist er bekannt geworden im Simplicissimus in München und auf vielen Cabaret-Bühnen in Deutschland. Aber er hat auch Theaterstücke geschrieben. Er war Dichter, Maler und ein Tausendsassa."

Ein Wortschöpfer mit Wortwitz

Mit seiner Figur des Matrosen "Kuttel Daddeldu" und seinen Auftritten im Berliner Kabarett Schall und Rauch wird er zu einem der beliebtesten Kabarettisten der Weimarer Republik. Seine Texte und Gedichte erscheinen im Rowohlt-Verlag und werden von der Kritik begeistert besprochen. Zu seiner Einzigartigkeit sagt Erika Fischer: "An seinen Dichtungen ist das Besondere, dass er mit großem Wortwitz einzigartige Wortschöpfungen erfunden hat. Er hat besonders die kleinen Dinge des Lebensalltags beschrieben. Ich glaube, dass er insofern einzigartig ist, weil all das auch heute noch gültig ist. Das ist immer noch interessant für Menschen diese Gedichte zu lesen."

1920 heiratet er Leonharda Pieper, die er zärtlich „Muschelkalk“ nennt. Ringelnatz nimmt Schallplatten auf, spielt in Filmen mit, verkauft Bilder und geht immer wieder auf Tourneen - doch ein finanziell abgesichertes Leben führt das Paar nie. 1933 verbrennen die Nationalsozialisten seine Bücher und erteilen ihm Auftritts- und Publikationsverbot. Auf einer Tournee durch die Schweiz erkrankt er ein Jahr später an Tuberkulose. Joachim Ringelnatz stirbt an deren Folgen am 17. November. Eine Orgel spielt zu seiner Beerdigung sein Lieblingslied "La Paloma". Unter einer Platte aus Muschelkalk findet er seine letzte Ruhe.

"Es war eine Schnupftabaksdose/ Die hatte Friedrich der Große/ Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz./ Und darauf war sie natürlich stolz./ Da kam ein Holzwurm gekrochen./ Der hatte Nußbaum gerochen/ Die Dose erzählte ihm lang und breit./ Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit./ Sie nannte den alten Fritz generös./ Da aber wurde der Holzwurm nervös/ Und sagte, indem er zu bohren begann/ "Was geht mich Friedrich der Große an!" Joachim Ringelnatz.


   
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