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28.7.2005: Frieden für Nordirland?
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Als die IRA, die Irisch-Republikanische Armee, am 28. Juli 2005 erklärt, den bewaffneten Kampf in Nordirland einzustellen, scheint sich endlich ein Ausweg aus einem verhängnisvollen Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu eröffnen. Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern kommentiert die Erklärung der IRA noch am selben Tag mit den Worten: "Diese Erklärung ist beispiellos. Wenn den Worten der IRA überprüfbare Handlungen folgen, wird dies eine bedeutsame und historische Entwicklung sein."

Obwohl sich im Nordirlandkonflikt Protestanten und Katholiken feindlich gegenüber stehen, wird in Nordirland nicht um ein religiöses Ziel gekämpft. Johannes Kandel, Leiter des Bereichs Interkultureller Dialog der Friedrich Ebert Stiftung und Autor des Buches "Der Nordirlandkonflikt. Von seiner historischen Wurzel bis zur Gegenwart", erläutert dazu: "Die Ursachen des Nordirlandkonflikts sind politischer Natur. Es geht um die Frage, wohin Nordirland politisch gehören soll, zur Republik Irland, das heißt zu einem dann vereinten Irland oder zu Großbritannien, das heißt zum United Kingdom."

Hintergründe

Die Einmischung der Briten in die irische Politik reicht bis weit in die Vergangenheit hinein. Im 12. Jahrhundert erobern die Briten unter Heinrich II. erstmals die westliche Nachbarinsel. Ab dem 16. Jahrhundert werden protestantische Engländer und Schotten in der nordirischen Provinz Ulster angesiedelt und Teile der irischen Bevölkerung vertrieben. Dadurch entsteht auf dem heutigen Gebiet Nordirlands eine protestantische, an Großbritannien orientierte Bevölkerungsmehrheit.

Diese bleibt auch nach dem Ende des Irischen Unabhängigkeitskriegs 1921 pro-britisch. Johannes Kandel dazu: "Die Ursache des Konflikts liegt in der Teilung Irlands 1921/22, als die nordirischen Protestanten in ihrer großen Mehrheit sich für eine Anlehnung an das United Kingdom entschieden haben und die südirischen Nationalisten für ein vereintes Irland waren. Die Teilung hat sich dann verewigt. Die Religion spielt bei dem Nordirlandkonflikt eine dynamisierende Rolle aber sie ist nicht die Hauptursache des Konflikts."

Die katholische Minderheit in Nordirland wird politisch und sozial benachteiligt. In den 1960er-Jahren eskaliert der Konflikt und wird zum Bürgerkrieg. Terror und Gegenterror der protestantisch-unionistischen Gruppen und der IRA fordern in den folgenden drei Jahrzehnten tausende Opfer. Etliche Friedensinitiativen scheitern. Erst unter der Regierung von Premier Tony Blair darf auch der politische Arm der IRA, die Sinn Féin Partei, mit an den Verhandlungstisch.

Der entscheidende Schritt zum Frieden

Am 28. Juli 2005 verändert die IRA mit ihrer Erklärung den Status Quo des Konflikts. Dazu Johannes Kandel: "Die IRA hat erklärt, dass sie den bewaffneten Kampf für endgültig beendet hält, dass sie alle ihre Kämpfer auffordert die Waffen niederzulegen, dass sie am Ziel der Vereinigung Irlands festhält aber dieses nur, wie die Sinn Féin Partei es politisch formuliert, nur mit friedlichen Mitteln erreichen möchte. Das ist natürlich die Erklärung, auf die man Jahrzehnte gewartet hat. Das war schon der entscheidende Einschnitt und der entscheidende Schritt zum Frieden in Nordirland."

Nordirland hat sich seit dem tatsächlich verändert. Ein dauerhafter Frieden erscheint möglich, auch wenn IRA-Abspaltungen wie die "Real IRA" neue Anschläge verüben. Ob der Konflikt wirklich beendet ist und die Bevölkerungsgruppen lernen, miteinander zu leben, werden die nächsten Jahrzehnte zeigen müssen. Die Zeichen für einen dauerhaften Frieden stehen jedoch gut.

"Nordirland ist heute in einer friedlichen Situation. Trotz der neuerlichen Gewalt, die wir jüngst erlebt haben von republikanischen Dissidentengruppen. Insgesamt ist Nordirland befriedet. Irland ist wirtschaftlich und sozial vorangekommen. Aber es gibt natürlich noch große Probleme. Wir haben jetzt wieder eine nordirische Regierung seit 2007, die mit zwei unmöglichen Partnern besetzt ist, die sich jahrzehntelang bekriegt haben. Aber man regiert miteinander und es bleibt friedlich" sagt Johannes Kandel.


   
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