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10.7.1995: "Rainbow Warrior" versenkt
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In den 1980er-Jahren macht die Umweltorganisation Greenpeace mit spektakulären Aktionen auf Tierquälereien und Umweltzerstörungen aufmerksam. Greenpeace hat ein eigenes Schiff, die "Rainbow Warrior". Im Juli 1985 befindet sich die "Rainbow Warrior" auf Zwischenstation in Neuseeland. Ziel der Reise ist das Mururoa-Atoll im Südpazifik. Greenpeace will dort die Atomtests der Franzosen behindern.

Es ist kurz vor Mitternacht am 10. Juli 1985. Gemütlich sitzen die Crew-Mitglieder bei einem Bier zusammen. Während sie noch überlegen, ob sie auf einen Absacker an Land gehen sollen, wird das Schiff plötzlich von einer Explosion erschüttert.

Explosion

Das gewohnte Tuckern des Stromaggregats verstummt. Die Notbeleuchtung spendet nur spärliches Licht. Die "Rainbow Warrior" beginnt sich zur Seite zu neigen. Bene Hoffmann, damals zweiter Steuermann auf der "Rainbow Warrior" sagte später dazu: "Es hat eine Explosion gegeben von einer Sprengladung, die außerhalb des Schiffes angebracht worden ist an der Seite des Maschinenraumes und dadurch ist ein riesengroßes Loch in die Bordwand gerissen worden. Durch die erste Explosion ist das Schiff sehr schnell voll gelaufen mit Wasser und auch sehr schnell gesunken."

Der Kapitän der "Rainbow Warrior", Peter Willcox, wird von der Detonation aus dem Schlaf gerissen. Als er den Befehl gibt, das Schiff zu verlassen, ist Fotograf Fernando Pereira bereits auf dem Weg zu seiner Kabine.

Später erzählte Bene Hoffmann: "Fernando Pereira war in der Messe mit einigen anderen und als er die erste Explosion gehört hat, ist er runter gelaufen in seine Kammer, um die Kameras zu holen, die er dort hatte. Das kann man so erklären: Fernando war ein professioneller Fotograf und er hat natürlich sofort gemerkt, dass man so was, was da gerade passiert, auf Bildern festhalten muss. Deswegen ist er also noch mal runter gelaufen." Als der zweite Sprengsatz explodiert, ist Fernando Pereira unter Deck. Am nächsten Tag wird er von zwei Tauchern tot geborgen.

Drahtzieher: Der französische Geheimdienst

Alles deutet darauf hin, dass die "Rainbow Warrior" durch einen Sprengstoffanschlag versenkt wurde. Drahtzieher des Anschlags scheint der französische Geheimdienst zu sein. Vier französische Agenten können sich auf dem Seeweg nach Frankreich absetzen. Zwei weitere werden von der neuseeländischen Polizei gestellt. Ihr Mietwagen wurde in den Tagen vor dem Anschlag am Hafen beobachtet.

Im Gepäck der beiden Festgenommenen findet die Polizei Beweismaterial für den Anschlag. Am 23. August 1985 ist in der Wochenzeitung DIE ZEIT zu lesen: "Die Wochenzeitung Le Point will wissen, dass alles mit einem „Wutausbruch" des Verteidigungsministers Hernu begann, als er einen Bericht über die Greenpeace-Vorbereitungen zur Behinderung der nächsten französischen Atomversuche im Pazifik las."

Im September 1985 bestätigt sich der Verdacht, dass die französische Regierung die "Rainbow Warrior" versenken ließ. Die Verantwortlichen für diesen staatlich beauftragten Terrorakt, Verteidigungsminister Charles Hernu und Geheimdienstchef Pierre Lacoste, müssen ihre Ämter räumen. Präsident François Mitterand und alle weiteren Regierungsstellen bestreiten jedoch, etwas von dem Anschlag gewusst zu haben.

Operation "Satanique"

Für das Besatzungsmitglied Bene Hoffmann war das ein Schock: "Für uns war das schon ein Schock. Wir waren drauf vorbereitet, dass vor Mururoa die französische Marine einschreiten würde, um uns zu hindern, näher an das Atoll ranzukommen, aber dass die französische Regierung eine solche Undercoveraktion starten würde, die die Versenkung eines Schiffes einschließt, dass stand bei uns nicht auf dem Zettel."

Die in Neuseeland gefassten Agenten werden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Beide werden jedoch in ein französisches Militärgefängnis verlegt und nach nur zwei Jahren freigelassen. Erst 2005 gibt ein Sprecher des französischen Geheimdienstes zu, dass die Versenkung der "Rainbow Warrior" bis in die Regierungsspitze bekannt war. Sogar Präsident Mitterand soll von der sogenannten Operation "Satanique", zu deutsch "satanisch", gewusst haben.


   
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