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23.6.1944: Thomas Mann wird US-Bürger
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1938 war der Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann mit offenen Armen in den USA empfangen worden. Wie jeder, der Bürger der USA werden will, musste auch Thomas Mann eine Prüfung ablegen, so geschehen Anfang Januar 1944.

Die Prüferin verehrte den berühmten Dichter offenbar und testete Thomas Mann und seine Frau Katja viel länger, als eigentlich vorgesehen war. Sie sei erstaunt gewesen, über die "Mischung von Gescheitheit und Ignoranz", die er darstelle, schrieb Thomas Mann später seiner Freundin und Förderin Agnes Meyer: "… und als wir vor dem Judge standen, erwies sich, dass sie ihm ein Exemplar von "Buddenbrooks" zugesteckt hatte, damit ich ihr etwas hineinschriebe."

Exil und Ausbürgerung

Die Entscheidung, seiner Heimat Deutschland dauerhaft den Rücken zu kehren, fiel Thomas Mann anfangs schwer. In den Wochen vor Hitlers Machtübernahme 1933 hielt sich Thomas Mann im Ausland auf. Der zu dieser Zeit bekannteste deutsche Schriftsteller blieb Deutschland fern – doch er hielt sich auch mit Aussagen zu Hitler zurück.

Mit den zahlreichen emigrierten Schriftstellern, die gegen das neue Regime in Deutschland anschrieben, wollte er sich nicht öffentlich verbünden. Er fürchtete, seine Leser in Deutschland zu verlieren. Erst 1936 äußerte er sich eindeutig, in einem offenen Brief an die "Neue Zürcher Zeitung": "Die tiefe, von tausend menschlichen, moralischen und ästhetischen Einzelbeobachtungen und -eindrücken täglich gestützte und genährte Überzeugung, daß aus der gegenwärtigen deutschen Herrschaft nichts Gutes kommen kann, für Deutschland nicht und für die Welt nicht - diese Überzeugung hat mich das Land meiden lassen."

Die Nationalsozialisten bürgerten daraufhin Thomas Mann aus. Von diesem Zeitpunkt an galt Thomas Mann als Kopf der deutschen Emigranten. 1936 nahm er die tschechische Staatsbürgerschaft an. Ab März 1938 lebte Thomas Mann in den USA, zuerst in Princeton, später in Kalifornien.

Die Stimme eines besseren Deutschlands

Schon vor seiner Übersiedlung 1938 war Thomas Mann ein gefeierter Autor in den USA. Manns "Buddenbrooks" und "Der Zauberberg" waren auch in den USA große Erfolge. Einflussreiche Freunde ermöglichten ihm, durch Vortragsreisen und Lesungen Geld zu verdienen. Er wurde als großer deutscher Humanist und Verfasser moderner Klassiker gefeiert. Viele Emigranten wandten sich an ihn, wenn sie Rat suchten und Hilfe brauchten. Thomas Mann wurde zur Stimme eines besseren Deutschlands.

In seinen Reden warnte er vor den Gefahren des Faschismus, wie im Deutschen Programm der BBC 1941: "Es ist die Stimme eines Freundes, eine deutsche Stimme, die Stimme eines Deutschlands, dass der Welt ein anderes Gesicht zeigte und wieder zeigen wird, als die scheußliche Medusenmaske, die der Hitlerismus ihm aufgeprägt hat."

Von den USA in die Schweiz

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Thomas Mann in den USA vorgeworfen, den Kommunismus zu unterstützen. Er war nicht der einzige, der sich solchen Verdächtigungen ausgesetzt sah. Es war die große Zeit von Senator Joseph McCarthy, der die USA durch kommunistische Unterwanderung bedroht sah. Die geistige Freiheit, für die Thomas Mann die USA so schätzte, verschwand in diesem politischen Klima zusehends. Außerdem sehnte er sich der europäischen Kultur. 1952 siedelte er wieder in die Schweiz über.

Das Verhältnis zu den Deutschen aber blieb schwierig. Diese nahmen es Thomas Mann übel, dass er ihre Schuld für die Grauen des Nationalsozialismus betonte. Der Schriftsteller besuchte Deutschland zwar regelmäßig, dauerhaft wollte er dort jedoch nicht leben. Am 12. August 1955 starb Thomas Mann, als US-amerikanischer Staatsbürger, in Zürich.


   
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