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30.5.1992: ARTE geht auf Sendung
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Schon vom Sendebeginn an setzt ARTE auf subtile Töne und eine Programmsprache, die sich nicht mit Effekten ans Publikum heranschmeißt. Die "Association Relative à la Télévision Européenne" füllt zunächst nur das Abendprogramm von 19 bis 01 Uhr. Auf ein Vorbild können die Macher von ARTE nicht zurückgreifen. Es ist daher eine enorme Herausforderung, den Geschmack des Publikums in Frankreich und Deutschland zu treffen. Dr. Gottlieb Langenstein, Präsident von ARTE sagt dazu: "Sie haben in Frankreich zum Beispiel eine große Seherschaft in der Mittagszeit. So was gibt es in Deutschland gar nicht. Sie haben dann sehr unterschiedliche Seherwartungen. Es gibt in Frankreich sehr viel gesprochenes Programm, mit vielen Talkshows, dafür eine große Begeisterung für den Film.
In Deutschland gibt es wieder eine große Begeisterung für
das Fernsehspiel. Und es gibt natürlich auch einen unterschiedlichen Zugang zur Kultur."

Politischer Auftrag

Arte hat einen politischen Auftrag. Der Sender soll die deutsche und französische Kultur einander näher bringen, ihnen eine gemeinsame Stimme geben und die kulturelle Integration Europas fördern. Die Idee einen europäischen Kultursender zu gründen, geht auf François Mitterand, Helmut Kohl und Lothar Späth zurück. Gottlieb Langenstein dazu: "Wenn Sie sich mal die Geschichte anschauen, die leidvolle Geschichte, zwischen Deutschland und Frankreich: 500 Jahre Krieg miteinander. Und wie da die Kultur oft missbraucht worden ist, um da den Hass gegen das jeweilige andere Land aufzustacheln, ist es natürlich eine ungewöhnliche Idee zu sagen: Wir machen zusammen einen Sender; dem geben wir eine Aufgabe im Sinne eines "regard croisé", also eines wechselseitigen Blicks, jeweils das Interesse für die andere Kultur zu wecken und die Freundschaft von Europa miteinander zu stärken."

Unabhängig

Der Sender besteht aus drei Unternehmensteilen: die Zentrale ARTE G.E.I.E mit Sitz in Straßburg sowie den gleichberechtigten Mitgliedern ARTE Deutschland in Baden-Baden und "La Sept", heute ARTE France in Paris. Dass ARTE heute unabhängig von staatlichen Stellen sein Programm gestalten kann, war anfangs nicht selbstverständlich. Gottlieb Langenstein dazu: "In Frankreich hat man durchaus ein Verständnis, dass der Rundfunk relativ nah am Staat sein soll. Man erlebt das ja heute auch in Frankreich in der Rundfunkreform unter Sarcozy in Paris. Das war es in der Tat so, dass die Deutschen darauf gedrungen haben, dass in dem deutsch-französischen gemeinschaftlichen Vertrag niedergelegt wird, dass der Sender unabhängig ist."

Synonym für Qualitätsfernsehen

Der Sender gilt mittlerweile in beiden Ländern als Synonym für Qualitätsfernsehen mit hohem Informationsgehalt. Das Programm besteht zu 40 Prozent aus Dokumentationen. Seine Einmaligkeit stellt ARTE unter anderem mit dem legendären Themenabend unter Beweis und auch mit Sendungen wie dem Kurzmagazin "Karambolage" unter Beweis. Dort klären sich deutsche und französische Programmmacher gegenseitig über ihre nationalen Eigenheiten auf. ARTE zeigt so wie Völkerverständigung im Fernsehen funktionieren kann.



   
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