Kalenderblatt dw.com
 
24.5.2005: Lafontaine: Austritt aus der SPD
Audio
Das Kunststück, das Parteibuch zu wechseln und dennoch ein bundesweit beachteter Politiker zu bleiben, gelingt in Deutschland nur wenigen. Am 24. Mai 2005 kündigte der ehemalige Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzende seinen Austritt aus der SPD an. Sein darauf folgendes Engagement für die wenig später gegründete Partei DIE LINKE veränderte das Machtgefüge der Parteien in Deutschland. Die Begründung für seinen Austritt glich einer Kampfansage an die SPD: "Wenn die SPD mit Hartz IV. und der Agenda 2010 in die Bundestagswahl geht, kann ich sie nicht mehr unterstützen. Das heißt also, meine Mitgliedschaft ist beendet."

39 Jahre war Oskar Lafontaine Mitglied der SPD. Er hatte diese Zeit für eine politische Bilderbuchkarriere genutzt. Der studierte Physiker wurde mit Anfang 30 Bürgermeister und schließlich Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken. Am 9. April 1985 wählte ihn der saarländische Landtag zum Ministerpräsidenten. Lafontaine war in der Riege der bundesdeutschen Spitzenpolitiker angekommen.

1990 ging die SPD mit Lafontaine als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl. Die SPD erreichte nur 33,5 Prozent der Stimmen. Nach der Bundestagswahl sagte Lafontaine: "Vielleicht war in der gegenwärtigen Situation nicht mehr drin. Das Drehbuch der letzten Monate lief für die Regierung. Es gab immer wieder offizielle staatliche Ereignisse, bei denen die Regierung die Bühne hatte, die Opposition eben Schwierigkeiten hatte ihre Vorstellung zu artikulieren."

Rückzug, Rückkehr und Rücktritt

Danach zog sich Lafontaine für fünf Jahre aus der Bundespolitik zurück. Bei seiner Rückkehr im November 1995 löste er spektakulär in einer Kampfabstimmung Rudolf Scharping als Parteivorsitzenden der SPD ab. Oskar Lafontaine erhielt 321 Stimmen - Rudolf Scharping 190 Stimmen.

1998 gelang Lafontaine sein bis dahin größter Coup: Die SPD gewann mit dem Kanzlerkandidat Gerhard Schröder und dem Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine die Bundestagswahlen. Lafontaine wurde Finanzminister. Die im Wahlkampf verdeckten Differenzen mit Gerhard Schröder brachen am Kabinettstisch allerdings durch. Nur wenige Monate nach der Wahl erklärte der Saarländer am 11. März 1999 überraschend seinen Rücktritt von allen Ämtern: "Der Grund meines Rücktritts ist das schlechte Mannschaftsspiel, das wir in den letzten Monaten geboten haben. Mannschaftsspiel verlangt, dass man Rücksicht aufeinander nimmt und dass man zueinander steht. Auch in der Öffentlichkeit."

Einen Seitenhieb gegen die Person Schröders konnte sich Lafontaine später nicht verkneifen: "Das Herz wird noch nicht an der Börse gehandelt, aber es hat einen Standort. Es schlägt links."

Das Herz schlägt links

Nach Lafontaines Abgang als Finanzminister und Parteivorsitzender war das Verhältnis zwischen ihm und den Genossen äußerst gespannt. Eine Rückkehr Lafontaines auf die politische Bühne war innerhalb der SPD nicht denkbar. Als Lafontaine seinen Austritt aus der SPD erklärte, war das daher nur das Vorspiel zum längst geplanten Wechsel in eine Partei links von der SPD.

Vor dem angestrebten Bündnis zwischen der WASG, der er am 18. Juni 2005 beitrat, und der PDS beschwor Lafontaine die Mitglieder beider Parteien: "Ich würde niemals ein solches Zusammengehen vorgeschlagen haben, wenn es tiefe innerliche Differenzen gibt. Weil es diese aber nicht gibt und darauf sollten wir uns ja konzentrieren, sollte wir die Chance wahrnehmen, eine starke linke Kraft im Deutschen Bundestag zu haben."

Im Herbst 2005 zog DIE LINKE tatsächlich in den Bundestag ein. Lafontaine teilte sich mit Gregor Gysi den Fraktionsvorsitz der Partei.


   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
We are not amused.
  > Viktoria
> RSS Feed
  > Hilfe
Welche Beruf übte Suzanne Rachel Flor Lenglen aus?
  Schwimmerin
  Skiläuferin
  Tennisspielerin