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11.5.1997: Schachcomputer besiegt Kasparow
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Im Februar 1996 hatten sich die Wege von Garri Kasparow und dem Computer "Deep Blue" schon einmal gekreuzt. Der Rechner konnte in Philadelphia gegenüber dem Weltmeister einen ersten kleinen Achtungserfolg verbuchen. Kasparow verlor gegen "Deep Blue" eine von insgesamt sechs Partien.

Für die Schachwelt, wie für Olaf Horstmann vom Godesberger Schachklub, war der berechenbaren Strategie eines Computers damals noch schnell beizukommen, er sagte: "Solange man noch gegen Computer gewinnen konnte, erforderte dies eine gewisse Strategie, die darin bestand, taktische Stellungen zu vermeiden - heute hilft einem auch das nicht mehr."

Die Deep-Blue-Show

Als für den Mai 1997 in New York eine Revanche zwischen "Deep Blue" und Kasparow angesetzt wurde, hatte sich viel verändert. Das IBM-Entwicklerteam um Projektleiter Feng-hsiung Hsu hatte die Hardware des Supercomputers weiter optimiert. "Deep Blue" konnte inzwischen 200 Mio. Stellungen pro Sekunde berechnen.

Auch die Atmosphäre vor dem Wettkampf war anders als beim ersten Zusammentreffen. Kasparow beschrieb sie kurze Zeit später im "Time Magazine" wie folgt: "Der Wettkampf hatte den wissenschaftlichen Aspekt verdrängt. Es wurde nun zu einem Konkurrenzkampf, in dem es um Siegen oder Verlieren ging. Das IBM-Team war alles in einem: Spieler, Organisator, Schiedsrichter und Sponsor der Veranstaltung, was für mich ein unglaublicher Nachteil war. Ob es nun von ihnen beabsichtigt war oder nicht, sie hatten eine vergiftete Atmosphäre geschaffen, die für mich nur sehr schwer zu ertragen war. Es lag etwas Negatives in der Luft. Es war eine Deep-Blue-Show, und Deep Blue sollte gewinnen."

Sensation

Die erste Partie konnte Kasparow noch für sich entscheiden. Doch im zweiten Spiel unterliefen ihm Fehler. Nachdem er diese Partie aufgab, wirkte Kasparow im weiteren Verlauf des Wettkampfes angeschlagen. Offensichtlich reagierte "Deep Blue" anders als Kasparow es von einem Rechner erwartete.

Am 11. Mai 1997 war die Sensation perfekt: Zum ersten Mal wurde ein Schachweltmeister in einem Wettkampf unter Turnierbedingungen von einem Computer besiegt. Die Schachszene war vom Ausgang überrascht. Auch Thomas Stenzel, Oberligaspieler vom Godesberger Schachklub, war damals ein wenig verwundert: "Also irgendwie habe ich mal so ein bisschen gedacht, dass an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein Großmeister die Antwort dem Rechner gegeben hat. Damals war das schon ein bisschen erstaunlich, dass der Rechner gewonnen hat."

Unregelmäßigkeiten?

Kasparow vermutete Unregelmäßigkeiten während des Duells. Im "Time Magazine" verlangte er eine vollständige Untersuchung des Konstruktionsprinzips von "Deep Blue": "Ich glaube, das IBM-Team schuldet der Schachwelt, wie der wissenschaftlichen Welt, eine vollständige Aufklärung über die Bauweise einer solch dynamischen Maschine. Es sollte die wissenschaftlichen Daten zugänglich machen, damit andere die Möglichkeit erhalten, die Leistung objektiv zu beurteilen. Ich denke auch, dass IBM mir und der gesamten Menschheit eine Revanche schuldig ist. Hiermit fordere ich IBM zu einem Match über zehn Spiele heraus, die in einem Zeitraum von 20 Tagen an jedem zweiten Tag auszutragen sind."

Nach "Deep Blue" kam "Deep Fritz"

IBM verweigerte Kasparow eine Revanche. In aller Eile wurde "Deep Blue" in seine Einzelteile zerlegt. Damit blieb die Rechenmaschine für alle Zeit ungeschlagen. Einige Teile befinden sich heute im Computer History Museum im Silicon Valley. Im November 2006 kam es erneut zum Duell Mensch gegen Maschine. Weltmeister Wladimir Kramnik unterlag dem Computer Deep Fritz deutlich mit 4:2. Am Können des Schachcomputers zweifelte nun keiner mehr.



   
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