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16.4.1964: Postzugräuber in England verurteilt
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In den frühen Morgenstunden des 8. August 1963 ist der königliche Postzug auf dem Weg von Glasgow nach London. Die Täter manipulieren Signale und bringen den Zug auf einer entlegenen Stelle zum Stehen. Zugführer Jack Mills wird bewusstlos geschlagen, das Begleitpersonal festgesetzt.

Lediglich 15 Minuten brauchen die Täter, um die Postsäcke in drei bereitstehende Laster zu verfrachten. Sie erbeuten knapp 2,6 Mio. Pfund. Obwohl die Bande den Überfall minutiös geplant hat, kann die Polizei die Mehrzahl der Tatbeteiligten in den kommenden Monaten festnehmen.

Im bis dahin längsten Prozess der britischen Rechtsgeschichte fallen am 16. April 1964 harte Urteile. Die Helfer der Räuber sollen 25 und die Täter selbst 30 Jahre hinter Gitter. Dem öffentlichen Bild der Täter als "Gentlemen Räuber" widerspricht Richter Edmund Davies noch bei der Urteilsverkündung, er sagte: "Lassen Sie uns die romantische Verklärung als ein "Husarenstück" beiseite schieben: Das war nichts anderes als ein schäbiges Gewaltverbrechen, getrieben von maßloser Gier."

Von der Flucht ins Gefängnis

Mit der Urteilsverkündung endet jedoch die Geschichte des Großen Postzugraubs noch lange nicht. Schließlich sind nicht alle Täter bereit, ihre Strafen im Gefängnis auch abzusitzen. Mehreren gelingt die Flucht. So auch Ronald Biggs. Am 8. Juli 1965 fährt ein Möbelwagen an die Mauer des Londoner Gefängnis Wandsworth. Eine Strickleiter wird über die Mauer geworfen und der Posträuber Ronald Biggs klettert in die Freiheit.

Während die anderen Flüchtigen des Großen Postzugraubs nur wenige Jahre in Freiheit sind, dauert die Flucht von Biggs 36 lange Jahre. Das macht Biggs zum bekanntesten Kriminellen der Welt. Dabei ist er kein wirklich großer Verbrecher, wie der oberste Biggs-Jäger Jack Slipper, Chief Superintendant von Scotland Yard, nach seiner Pensionierung zugibt: "Ronnie Biggs ist ein Mann der Vergangenheit. Und ein großer Fisch war er nie. Er war ein kleiner Junge in einer Bande von äußerst brutalen und gewalttätigen Verbrechern, so aber war Biggs nie."

Biggs unterzieht sich nach seiner Flucht einer Gesichtsoperation. Als er sich in Australien nicht mehr sicher fühlt, flieht er 1974 nach Brasilien. Die Reste seiner Beute aus dem spektakulären Coup sind rasch aufgebraucht. Biggs vermarktet nun sein Image. Er druckt T-Shirts mit seinem Konterfei, gibt ab und zu eine Story für die Klatschpresse der alten Heimat und wer möchte kann sogar für 60 Dollar mit ihm Frühstücken. Die Sex Pistols und später auch die Toten Hosen nehmen Songs mit ihm auf. 2001 hat Biggs genug vom Exil. Er fliegt nach Hause und kehrt 38 Jahre nach dem Großen Postzugraub zurück ins Gefängnis.


   
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