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14.4.1980: Oscar für "Die Blechtrommel"
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In den 1950er-Jahren dominierten den deutschen Film Heimatfilme und harmlose Komödien. Anspruchsvolle Filme hatten es schwer. Erst in den 1960ern fanden junge Filmemacher wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog oder Volker Schlöndorff mit anspruchsvollen Themen ein neues Publikum. Zwei weitere Jahrzejnte sollte es dauern bis diese Arbeit auch internationale Anerkennung erfahren sollte: Am 14. April 1980 wurde Volker Schlöndorffs "Die Blechtrommel" als erste deutsche Produktion in der Kategorie "nicht englischsprachiger Film" mit dem Oscar ausgezeichnet.

Als Volker Schlöndorff Ende der 1970er-Jahre mit den Vorbereitungen für die Verfilmung von "Die Blechtrommel" von Günter Grass begann, schien die große Zeit dieses Romans vorbei zu sein. Bei seinem Erscheinen 1959 war das Buch eine literarische Sensation. Grass hatte jedoch lange Zeit alle Angebote zu einer Verfilmung abgelehnt. Unter Filmleuten galt die Romanvorlage als nicht realisierbar.

Eine Herausforderung

Erst als Grass 1975 das Treatment des Münchner Produzenten Franz Seitz in den Händen hielt, stimmte er endlich zu. Vor allem, weil Volker Schlöndorff Regie führen sollte. Schlöndorff hatte schon einige Literaturvorlagen erfolgreich verfilmt. Mit der "Blechtrommel" tat sich aber anfangs auch Schlöndorff schwer, er sagte später darüber: "Diese unglaubliche Herausforderung, dass so ein Rationalist wie ich sich auf einmal mit dem irrationalem Erzählen eines Grass auseinander setzen musste, hat dann eine gute Spannung gebracht. Insofern ist es vielleicht kein Zufall, dass der größte Erfolg "Die Blechtrommel" war, weil die "Blechtrommel" von Anfang an auf dem Chaosprinzip aufbaut."

Nicht nur künstlerisch war die Verfilmung eine enorme Herausforderung - die Produktionsfirma rechnete mit einem Budget von umgerechnet rund 3,5 Mio. Euro. Erst einen Monat vor Drehbeginn hatte Seitz die Gelder aus verschiedenen Fördertöpfen zusammengestückelt.

Mit Oskar zum Oscar

Die wichtigste Frage aber war: Wer sollte den kleinwüchsigen Oskar spielen? Dustin Hoffman? Roman Polanski? 1977 lernte Schlöndorff den Sohn des Schauspielers Heinz Bennent kennen. Der elfjährige David war gerade einmal so groß wie ein Vierjähriger. Schon bei der ersten Begegnung war Schlöndorff klar, dieser Junge sollte sein Oskar Matzerath werden: "Ich fotografiere David zusammen mit anderen Kindern zwischen drei und zwölf und 18 um die Größenverhältnisse und das Verhalten zu vergleichen. Vom ersten Moment an haben wir einen professionellen Kontakt. Er weiß, dass er die Rolle seines Lebens gefunden hat und auch, dass er wahrscheinlich seine Rolle im Leben gefunden hat, nämlich Schauspieler zu sein." Bennents Besetzung erwies sich als der Glücksgriff des Filmprojekts.

Der Film wurde im Mai 1979 im Berliner Gloria-Palast uraufgeführt. Im selbem Monat gewann "Die Blechtrommel" in Cannes die Goldene Palme. Seine Chancen bei der Oscar-Verleihung für den besten ausländischen Film sah Schlöndorff eher nüchtern. Schließlich entsprachen Nationalsozialisten, Pferdeköpfe und Sexdarstellungen mit einem Kind nicht gerade dem üblichen Hollywood-Geschmack. Dennoch: "Die Blechtrommel" siegte. Für Schlöndorff war es nicht nur eine Auszeichnung seines Films, sondern auch eine Anerkennung dafür, dass in Deutschland wieder anspruchsvolle Filme gemacht wurden.


   
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