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10.4.1987: Sportlerin Birgit Dressel gestorben
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In den vergangenen Jahren gab es kaum ein Sport-Event, das nicht mit Doping in Verbindung gebracht wurde. "Für mich ist das eine kriminelle Sphäre. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun," sagte der Heidelberger Doping-Experte Professor Werner Franke. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um Doping geht. Den Tod von Birgit Dressel 1987 führt Franke eindeutig auf das Doping mit Anabolika zurück.

Zwei Dutzend Ärzte der Mainzer Uniklinik hatten der Siebenkämpferin am 10. April 1987 nicht mehr helfen können. Als Ursache stellte das gerichtsmedizinische Gutachten ein Multiorganversagen fest. Die 26-jährige Bremerin hatte in wenigen Jahren 101 Medikamente und rund 400 Injektionen verabreicht bekommen. Erstmals ließ sich belegen, welche Unmengen synthetischer Substanzen Hochleistungsathleten spritzen und schlucken.

Doping: Ein Tabu-Thema

"Der Tod von Birgit Dressel war tragisch. Die Öffentlichkeit erfuhr aber auch, dass nicht nur im Osten gedopt wurde. Wirklich bekämpft wurde der Griff in den Medizinschrank jedoch nie, sondern nur verfeinert und straffer organisiert. Anders lautende Behauptungen sind pure Heuchelei," zu dieser fast zynisch klingenden Aussage ist ein ehemaliger Spitzen-Trainer nur bereit, wenn er anonym bleiben kann. Doping ist und bleibt unter den Beteiligten ein Tabu-Thema.

Doping-Experte Franke sieht daher die Sportfunktionäre in der Pflicht und meinte: "Es ist strafrechtlich zu verfolgen, als Körperverletzung oder zumindest aufgebürdete Risiko der Körperverletzung, um den Bundesgerichtshof zu zitieren. Aber die Sportverbände tun das nicht. Die Sportverbände stehen innerlich beweisbar, beweisbar, ich unterstreiche das, auf Seiten der Täter. Ab und zu wird man erwischt, dann ist das peinlich."

Erfolgreich - und gesund?

Birgit Dressel feierte 1984 als Olympia-Neunte in Los Angeles ihren ersten internationalen Achtungserfolg. Zwei Jahre später bei den Europameisterschaften in Stuttgart wurde sie Vierte. In Seoul, bei den Olympischen Spielen 1988 wollte sie ganz oben stehen. Privat plante sie ihren Freund und Trainer Thomas Kohlbacher zu heiraten. Es blieben unerfüllte Träume.

Juristisch ist für ihren Tod nie jemand belangt worden. Ihr Lebensgefährte und Trainer Thomas Kohlbacher sagt, er hätte nichts von Doping gewusst. Ihr Arzt, Professor Armin Klümper bestreitet, sie mit Anabolika per Blanko-Rezept versorgt zu haben. Noch im Februar 1987, wenige Woche vor ihrem Tod, sei sie eine höchst gesunde Athletin gewesen. Aussagen wie diese lassen Professor Franke am System des Spitzensports zweifeln: "Es sind immer ab und zu mal Sportler aufgefallen. Die hat man dann am Marktplatz verbrannt. Aber in Wirklichkeit hat man ja nichts getan. Wir haben die Kriminellen, in dieser Weise Kriminellen, in den Spitzenpositionen."

Sauberer Leistungssport?

An einen sauberen Leistungssport kann Franke nicht mehr glauben. Sein Fazit ist nüchtern: "Aus die Maus, fertig Ende. Wir sind etwa da, wo zur Zeit von Christi Geburt, also im Jahre Null, die klassischen Olympischen Spiele waren. Da hat Nero ein Wagenrennen gewonnen und ähnliche Albernheiten. Drei Kaiser haben da gesiegt. Das ist ein korruptes System."

Für den sportlichen Nachwuchs sind solche Aussagen natürlich kaum zu ertragen. Der angehende Radprofi Carsten Hess glaubt daher nach wie vor, dass er sportliche Erfolge auch auf saubere Art erringen kann: "Es schaffen wirklich nur wenige nach oben. Man kann eigentlich mit jeder Trainingsplanung es schaffen. Man muss nur konsequent bleiben."

Im Sommer 2007 verschärfte der Gesetzgeber das Arzneimittelgesetz. Wer mit Dopingmitteln handelt, muss seither mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Ein eigenständiges Anti-Doping-Gesetz gibt es nicht. Die Konsequenzen des Dopings müssen Sportler nach wie vor mit sich allein ausmachen. Im schlimmsten Fall zahlen sie wie Birgit Dressel für ihr Doping mit dem Tod.


   
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