Kalenderblatt dw.com
 
7.4.1997: PHOENIX-Sendestart
Audio
Jahrzehntelang ist das Fernsehprogramm der Deutschen übersichtlich. Mehr als die drei Programme von ARD und ZDF gibt es meist nicht. Mit dem Aufkommen privater Fernsehsender ab Mitte der 1980er-Jahre ist es mit dieser Übersichtlichkeit bald vorbei. Immer mehr Programme richten sich nun an immer speziellere Zielgruppen. Auch ARD und ZDF erkennen diesen Trend. Sie gründen ihren ersten Spartensender, den Ereignis- und Dokumentationskanal PHOENIX.

Am 7. April 1997 begrüßt von Köln aus Moderator Alois Theisen die Zuschauer: "Guten Morgen liebe Zuschauer, Phoenix hat abgehoben und fliegt jetzt. Willkommen zum ersten Sendetag von PHOENIX, dem Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF."

PHOENIX ist der erste Sender, der politische und gesellschaftliche Ereignisse unkommentiert und in ganzer Länge zeigt. So haben die Zuschauer schon am ersten Sendetag Gelegenheit, sich zwei Stunden lang anzusehen, wie dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog in Tokio die Ehrendoktorwürde verliehen wird. Von der Übergabe Hongkongs an China berichtet man zwei Tage lang und - für die mitunter tagelang übertragenen Haushaltsdebatten braucht mancher Durchhaltevermögen. Manchmal erweist sich aber genau diese Ausdauer als großer Glücksgriff: Die Nachricht von der Wahl Joseph Ratzingers zu Papst Benedikt XVI. bringt zuallererst PHOENIX.

Erste Schwierigkeiten

Aber schon im Juni 1997 entbrennt ein Rechtsstreit um PHOENIX und den seit Januar desselben Jahres ausgestrahlten Kinderkanal von ARD und ZDF. Der 3. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hatte ARD und ZDF zwar die Gründung von Spartenkanälen gestattet, der Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) klagt dennoch vor der EU-Kommission wegen Wettbewerbsverzerrung.

Nicht nur, dass die neuen Kanäle mit Gebührengeldern finanziert werden, sie werden auch bevorzugt in das analoge Kabelnetz eingespeist. Die Ressourcen dieser Netze aber sind knapp, so dass andere Anbieter zurückstecken müssen.

EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert legitimiert jedoch grundsätzlich die Spartenprogramme der Öffentlich-Rechtlichen: "Man soll nicht die öffentlichen Fernsehanstalten und ihre Aufgaben allzu eng interpretieren. Es muss tatsächlich einen Wettbewerb geben zwischen privaten und öffentlichen Anstalten und das setzt voraus, dass die Öffentlichen so finanziert werden, dass sie tatsächlich in diesem Wettbewerb bestehen können. Ich glaube, das ist auch im Sinne der Demokratie - bessere Informationen der Bürger."

Spitzenplatz unter den Informationskanälen

Im November 1997 wird aus den anfänglich 16 Stunden täglicher Sendezeit ein Vollprogramm. Und auch visuell gibt es schon bald Änderungen. Hatte man zunächst mit ein oder zwei Kameras bei den Ereignissen auf eine puristische Ästhetik gebaut, bemerkt man schnell, dass es mehr Perspektiven und Schnitte braucht, um die Zuschauer zu binden.

Bei einem Jahresetat von nur 34 Mio. Euro sind die Möglichkeiten der PHOENIX-Macher jedoch stark eingeschränkt. Die Ereignissendungen und Diskussionsrunden kann man selbst produzieren, die dritte Programmsäule - Dokumentationen - wird aber nach wie vor vorwiegend mit Übernahmen von ARD und ZDF gestaltet.

Bei einem Jahresetat von rund 35 Mio. Euro sind die Möglichkeiten der PHOENIX-Macher jedoch stark eingeschränkt. Die Ereignissendungen und Diskussionsrunden kann man selbst produzieren, die dritte Programmsäule - Dokumentationen - wird aber nach wie vor vorwiegend mit Übernahmen von ARD und ZDF gestaltet.

Dennoch: PHOENIX hält den Spitzenplatz unter den deutschen Informationskanälen. 2011 erreichte der Sender nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von 1,1 Prozent den besten Jahreswert seit dem Sendestart und lag damit in der Zuschauergunst vor den privaten Konkurrenten NTV und N24. Die Idee, ein Programm mit möglichst viel Raum zur Meinungsbildung zu machen, hat sein Publikum gefunden.

Bearbeitung: Manfred Böhm
Redaktion: Stephanie A. Hiller

   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Ich schreibe nicht für die Ewigkeit; dieses elitäre Getue scheißt mich an.
  > Johannes Mario Simmel
> RSS Feed
  > Hilfe
Wer war Hauptvertreter des utopischen Sozialismus?
  Charles Fourier
  Gregor Gysi
  Walter Ulbricht
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße