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22.3.1935: Erstes Fernsehprogramm der Welt
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Schwarz-weiß verschwommen flimmert das Konterfei der ersten Fernsehansagerin Ursula Patzschke über die Bildschirme. Ab dem 22. März 1935 bietet der Fernsehsender ″Paul Nipkow″ an drei Abenden pro Woche Unterhaltung. Der Fernsehtag dauert damals zweieinhalb Stunden und präsentiert dem Zuschauer einen Programm-Mix aus Wochenschau, Fernsehspiel, Tier- und Ratgebersendungen.

Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky schwärmt auf der Eröffnungsveranstaltung des Fernsehprogrammbetriebs von den kulturellen Möglichkeiten des neuen Mediums: ″Das Fernsehen muss uns wirklich zusätzliche Kulturmöglichkeiten schaffen, es muss neuen künstlerischen Formen und Äußerungen Bahnfrei geben. Es wird uns eine unerhörte Vertiefung des politischen Gemeinschaftserlebnisses bringen durch das Mitwirken des Auges."

Fernsehen

Die Briten ziehen erst sieben Monate später mit dem allerdings technisch wesentlich besser ausgestatteten Sender BBC nach. Die Nationalsozialisten wollen mit ihrer frühen Inbetriebnahme Überlegenheit demonstrieren. So ist auch der Name des Senders programmatisch: Paul Nipkow ist der Erfinder der sogenannten Nipkow-Scheibe. Sie ermöglicht eine Übertragung der in einzelne Punkte zerlegten Fernsehbilder.

Nipkow wird von den Nationalsozialisten zum ″Erfinder des Fernsehens″ stilisiert - dabei missachten sie die Leistungen anderer Deutscher wie dem jüdischen Physiker Siegmund Loewe oder dem adeligen Naturwissenschaftler und Erfinder Manfred von Ardenne.

Das Fernsehprogramm bleibt anfangs auf den Großraum Berlin beschränkt: Der Berliner Funkturm kann das Programm nur etwa 80 Kilometer weit ausstrahlen. Ab Juni 1935 versorgen fahrbare Sendeanlagen dann auch die Hamburger mit der neuen Technik. Während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin werden die Wettkämpfe direkt in die überfüllten Fernstuben übertragen.

″Wir senden Frohsinn - wir spenden Freude″

Kaum jemand hat zu Hause ein Fernsehgerät. Anfang des Zweiten Weltkriegs werden alle öffentlichen Fernsehstuben geschlossen. Das Fernsehen gilt nun als kriegswichtig. Die Fernsehgeräte werden für die Betreuung deutscher Soldaten in Lazaretten eingesetzt. Gesendet wird ein Gute-Laune-Programm, das den Durchhaltewillen stärken soll. Die Live-Show ″Wir senden Frohsinn – wir spenden Freude″ mit Ilse Werner will mit Musik, Tanz und jungen Frauen das Geschehen an der Front vergessen machen.

Erst im Oktober 1944 stellt der Fernsehsender Paul Nipkow endgültig den Betrieb ein.


   
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