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18.3.1990: Erste freie Wahlen in der DDR
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Nach dem Fall der Mauer können die Bürger der DDR am 18. März 1990 zum ersten Mal frei wählen. Es sollen die einzigen freien Wahlen in der Geschichte des Landes bleiben.

"Ich sage Ihnen, wenn die Rahmenbedingungen gesetzt sind, wenn die notwendigen gesetzgeberischen Maßnahmen getroffen sind, werden nicht nur Hunderte sondern Tausende von investitionsbereiten Unternehmern aus Großunternehmen wie bis hin zum Handwerk aus der Bundesrepublik hierher kommen und gemeinsam mit Ihnen werden wir in kurzer Zeit ein blühendes Land schaffen." Soweit der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Rede am 20. Februar 1990 in Erfurt - einer der Höhepunkte im DDR-Wahlkampf 1990.

Blühende Landschaften?

Die "blühenden Landschaften" von denen Kohl spricht, werden zum geflügelten Wort. Helmut Kohl greift damit die Hoffnung vieler DDR-Bürger auf, baldmöglichst am Wohlstand der Bundesrepublik teilzuhaben. Wenige Wochen zuvor ist in der DDR auf Initiative der West-CDU die konservative ″Allianz für Deutschland″ gegründet worden. Dieser Zusammenschluss aus Ost-CDU, der "Deutschen Sozialen Union" und dem "Demokratischen Aufbruch" wirbt für eine rasche Wiedervereinigung beider deutschen Staaten.

Die SPD gilt bis kurz vor den Wahlen als klarer Favorit. Eine eindeutige Position, wie es nach der Wahl mit der DDR weitergehen soll, bezieht die SPD jedoch nicht. Alt-Bundeskanzler Willy Brandt spricht sich für eine rasche Vereinigung aus. Der damalige SPD Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine hingegen warnt vor einer übereilten Vereinigung beider deutschen Staaten. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Unterschiede beider Länder will Lafontaine eine langsame und schrittweise Angliederung.

Wahlkampf

Der Wahlkampf in der DDR wird vor allem von Köpfen aus der Bundesrepublik bestimmt. Es gibt aber auch Parteien und Wahlbündnisse, die ganz ohne Unterstützung aus dem Westen auskommen.

Die verschiedenen Strömungen der Bürgerbewegung wie etwa das "Neue Forum" oder "Demokratie Jetzt" schließen sich im "Bündnis 90" zusammen. Auf ein einheitliches Programm kann sich dieses Bündnis jedoch nicht einigen. Im Wahlkampf spielen die Bürgerbewegungen daher keine bedeutende Rolle.

Die Nachfolgepartei der SED, die PDS, kommt bei einigen Wählern dagegen gut an. Die PDS spricht sich klar für einen Fortbestand der DDR aus.

Die Wahl: Anfang vom Ende der DDR

Der Ausgang der Wahlen überrascht alle Beteiligten. Mit 48 Prozent geht die "Allianz für Deutschland" als klarer Sieger aus den Wahlen hervor. Mit großem Abstand folgt die SPD mit 21,9 Prozent. Die Mehrheit der DDR-Bevölkerung spricht sich mit dieser Wahl für eine rasche Wiedervereinigung aus. Die Volkskammer wählt den Spitzenkandidaten der "Allianz für Deutschland" Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten.

Jahre später wertet Lothar de Maizière den Wahlausgang so: "Aus den Wahlen ging eine Volkskammer hervor, die diesen Namen erstmals zu recht trug. Die Wahlen waren aber zugleich in mehrfacher Hinsicht ein Plebiszit. Ein Plebiszit zur Herstellung der Einheit Deutschlands, ein Plebiszit für den Rechtsstaat mit seiner Gewaltenteilung."

Die Wahl markiert den Anfang vom Ende der DDR und beschleunigt den Wiedervereinigungsprozess. Die Volkskammer löst sich am 2. Oktober 1990 auf. Das erste frei gewählte Parlament der DDR besteht nur sechs Monate.

   
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