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4.2.1872: Ohropax-Erfinder Maximilian Negwer geboren
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Geräusche ab 85 Dezibel schaden dem Gehör. Gestaltet sich der Arbeitsplatz lauter, ist ein Ohrenschutz Pflicht. Was als Lärm empfunden wird, empfindet jeder Mensch anders. Prof. Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp ist Professorin für Akustik in Berlin und erforscht die Wahrnehmung von Lärm, sie sagt: "Geräusche umgeben uns in vielen Situationen, und ein Geräusch hat einen ganz hohen Informationswert. Es gibt eine akustische Information, was gerade an welchem Platz wo, wie passiert. Wir brauchen solche Geräusche, um uns orientieren zu können. Geräusche werden aber zu Lärm, wenn sie unerwünscht sind. Das heißt wenn sie in Situationen auftauchen, in denen wir sie eigentlich gar nicht gebrauchen können."

Geräuscheschützer

Als Maximilian Negwer Anfang des 20. Jahrhunderts eine Apotheke in Berlin eröffnet, ist die Stadt auf dem Weg zur lauten Millionenmetropole. Zu dieser Zeit denkt noch niemand über Lärmschutzmaßnahmen nach. Entsprechende Warnungen von Medizinern werden ignoriert, obwohl auch damals schon Menschen über Lärm klagen.

Negwer entdeckt eine echte Marktlücke. Aus Bienenwachs und Teig formt er kleine Pfropfen, mit denen sich der Gehörgang schonend und einfach verschließen lässt. Negwer greift eine uralte Idee aus Homers Odyssee auf. Während sich sein Held Odysseus dem verführerischen Gesang der Sirenen stellt, schützt sich die Mannschaft mit Pfropfen aus Bienenwachs.

Im Praxistest stellt Negwer jedoch fest, dass das Material schnell ranzig und bröckelig wird. Es dauert Jahre, bis ihm die optimale Zusammensetzung gelingt: Mit Wachs und Vaseline gestreckte Baumwollwatte. 1907 gehen die ersten "Ohropax Geräuscheschützer" über die Ladentheke - in den charakteristischen gelben Dosen. Es ist der Beginn einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte.

"… kommt dir Lärm wie Stille vor"

Der Erste Weltkrieg beschert Maximilian Negwer einen Großauftrag. Ab sofort gehören Ohropax zur Grundausstattung von Soldaten. Sie schützen sich mit Negwers Erfindung vor Kanonendonner und Gewehrknallen.

Auch nach dem Krieg bleiben Ohropax pharmazeutische Kassenschlager. Dass die Konsumenten oftmals für Mimosen gehalten werden, ändert nichts am Erfolg. Einer von Negwers berühmtesten Kunden ist Schriftsteller Franz Kafka. "Hast du Ohropax im Ohr, kommt dir Lärm wie Stille vor", heißt es auf den Werbeplakaten der 1920er-Jahre.

Inzwischen werden jährlich rund 30 Mio. Stöpsel produziert - auch in schrillen Neonfarben mit eingebauter Coolness für lange Disconächte.


   
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