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4.1.1961: Deutsches Wörterbuch vollendet
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Der Verleger Karl Reimer schlägt Jacob und Wilhelm Grimm erstmals 1830 vor, ein neuhochdeutsches Wörterbuch herauszubringen. Dass die Aufgabe gewaltig ist, ahnen die Grimms von vornherein. Sie lehnen zunächst ab.

Sie sind viel beschäftigte Universitätsprofessoren in Göttingen - bis 1837, als sich ihre Situation schlagartig ändert. Ernst August I., König von Hannover, übernimmt die Regierungsgeschäfte und setzt die Verfassung des Landes Hannover außer Kraft. Sieben Göttinger Professoren, darunter Jacob und Wilhelm Grimm, protestieren dagegen, woraufhin der König die Männer des Hochverrats anklagt. Als der Konflikt öffentlich ausgetragen wird, enthebt der König die sogenannten "Göttinger Sieben" ihrer Ämter. Einige von ihnen, auch Jacob und Wilhelm Grimm, müssen das Land verlassen.

Ziel: Ein Wörterbuch des Deutschen

Faktisch arbeitslos stimmen die Brüder Grimm nun dem erneuten Angebot von Karl Reimer zu. Ziel ist ein Wörterbuch, in dem alle Wörter des Deutschen gesammelt werden sollen. Das Lexikon soll die Herkunft der Wörter, ihre Bedeutung und Schreibweisen sowie ihre Nutzung im Sprachgebrauch und in Fachsprachen wiedergeben.

Als die Gebrüder Grimm 1838 mit der Arbeit beginnen, berechnen sie den Umfang des Werkes auf sechs bis sieben Bände und auf sechs bis zehn Jahre Arbeit. Doch das Unternehmen erweist sich als noch umfangreicher und schwieriger als gedacht. Der erste Band des Deutschen Wörterbuchs erscheint erst im April 1854 - 16 Jahre nach Beginn des Projekts.

Die Arbeit geht weiter

Nachdem 1859 Wilhelm Grimm stirbt und vier Jahre später, 1863, auch Jacob, setzen Mitarbeiter der Grimms die Arbeit fort. Ab 1868 erhält das Projekt erstmals staatliche Fördermittel. 1908 übernimmt die Deutsche Kommission der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin die wissenschaftliche Leitung des Wörterbuchs. Zu diesem Zeitpunkt sind etwa 50 Prozent des Wortschatzes bearbeitet. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wird die Arbeit an dem Mammutprojekt fortgeführt. 1947 wird in Göttingen eine zweite Arbeitsstelle eingerichtet. Ungeachtet aller ideologischen Unterschiede schreiben die beiden Arbeitsstellen in West- und Ostdeutschland gemeinsam weiter am Deutschen Wörterbuch.

Vollendet, aber nie vollständig

123 Jahre nach Beginn der Arbeiten erscheint am 4. Januar 1961 der 32. und letzte Band des Deutschen Wörterbuchs der Gebrüder Grimm. Das fertige Werk bringt es auf 350.000 Stichwörter und wiegt insgesamt 84 Kilogramm - ein Werk der Superlative, das neue wissenschaftliche Maßstäbe setzt und Vorbild für ähnliche Wörterbücher in anderen Sprachen ist.


   
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