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9.1.1917: U-Boot-Krieg
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Nachdem Großbritannien Anfang November 1914 die Nordsee zum Kriegsgebiet erklärt hatte, setzte Deutschland seit dem 4. Februar 1915 U-Boote ein. Ein geringe Anzahl zu Anfang, jedoch begannen die U-Boote auch Handelsschiffe zu torpedieren.

Als im August 1915 der britische Dampfer RMS Lusitania durch deutsche U-Boote versenkt worden war und die USA daraufhin mit Kriegseintritt drohten, weil unter den fast 1.200 Toten auch 120 US-amerikanische Staatsbürger waren, zog das Deutsche Reich seine U-Boote für ein halbes Jahr zurück.

Im Kriegsjahr 1916 wurde der U-Boot-Krieg von deutscher Seite im Wesentlichen nach der so genannten Prisenordnung geführt, d.h. die Ladung gegnerischer Schiffe durfte zwar beschlagnahmt, aber die Schiffe nicht vernichtet werden.

Uneingeschränkter U-Boot-Krieg

Am 9. Januar 1917 beschlossen Oberste Heeresleitung und Kronrat - gegen die Stimme von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg - die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Nach dem Giftgaseinsatz an der Front in Frankreich und dem jahrelangen Stellungskrieg, der mit dem Namen Verdun in die Geschichtsbücher eingegangen ist, ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Totalisierung der modernen Kriege.

Aus deutscher Sicht gab es dafür zwei Gründe: Die große Seeschlacht am Skagerrak im Juni 1916 endete zwar mit einem Patt, hatte aber die Kampfkraft der ohnehin unterlegenen Seestreitmacht entscheidend geschwächt. Und: Die kriegswichtigen Materiallieferungen aus den USA an Großbritannien und Frankreich hatten im Jahre 1916 ständig zugenommen.

Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg führte nicht zum erwünschten Erfolg. Zwar konnten - besonders in den ersten Monaten des Jahres 1917 - zahlreiche alliierte Handelsschiffe versenkt werden, trotzdem: Es gelang den USA, ihre Lieferungen erheblich zu steigern, und die deutschen Verluste wurden immer zahlreicher.

Vergeblich hatte Innenstaatssekretär Karl Helfferich 1916 vor der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Bootkrieges gewarnt, er sagte: "Wenn die Karte des rücksichtslosen U-Boot-Krieges ausgespielt wird und nicht sticht, dann sind wir verloren."

Mythenbildung

Bis Kriegsende hatte Deutschland nicht weniger als 178 U-Boote verloren. Mehr als 8.000 U-Bootfahrer mussten ihr Leben lassen für die Idee eines übersteigerten Nationalismus.

Der U-Boot-Krieg war verloren, nicht aber der Mythos: Einen Krieg später wurden die vermeintlichen Heldentaten der U-Bootfahrer des Ersten Weltkrieges wieder hervorgekramt. Die stählernen Särge und das ewige Lied der Nordsee: Der Romantisierung einer perversen Kriegsmaschinerie waren Tor und Tür geöffnet.

Autoren: Norbert Ahrens/Ramon Garcia-Ziemsen
   
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