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21.4.1976: Weltgrößter Schaufelradbagger
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Ein riesiger Bagger, gegen den jeder normale Bagger wie ein Spielzeug aussieht. Sein Arbeitsplatz ist eine gigantische Grube, 250 Meter tief. Sein Arbeitgeber ist das Unternehmen "Rheinbraun" - und die fördern mit solchen stählernen Monstren Braunkohle im Revier zwischen den westdeutschen Städten Köln, Aachen und Mönchengladbach.

Rheinbraun hat 24 dieser so genannten Schaufelradbagger im Einsatz - aber einer, der mit der Nummer 285 ist ein ganz besonderer: Er war der erste einer neuen Generation, mit der das Unternehmen in eine Dimension vorstieß, die in der Welt ohne Beispiel war: Kerle wie er können 200.000 Kubikmeter Kohle pro Tag fördern oder auch Abraum, also die über der Kohle liegenden Erdschichten.

Nummer 285

Als Nummer 285 am 21. April 1976 im so genannten Tagebau seinen Betrieb aufnahm, da war das auch ein besonderer Tag für den ehemaligen Vorstandschef von Rheinbraun, Dieter Henning, der später sagte: "Ich war damals Oberingenieur im Tagebau 'Fortuna', dass heißt also verantwortlich für den Bergbaubetrieb. Das war natürlich schon eine spannende Sache, als das Gerät zum ersten Mal Abraum bewegt hat. Man muss dazu sagen: Die Dinge, die davor lagen, waren mindestens so spannend - also den Bagger in der Konstruktion wachsen zu sehen. Wir haben ihn ja auf einem Montageplatz, beginnend mit den ersten Bauteilen, die von den Lieferfirmen kamen, sukzessive zusammengebaut. Natürlich war das eine spannende Angelegenheit, als er sich das erste Mal mit dem 'Gebirge', d.h. dem Erdreich, auseinandergesetzt hat, als das erste Material in den Schaufeln drin war und auf der sich anschließenden Transportanlage lag. Da ist auch so ein bisschen Spannung von uns abgefallen. Aber wenn Sie mich fragen, was an dem Tag sonst noch passierte, das weiß ich gar nicht. Ich weiß nur noch, dass wir auf der einen Seite glücklich waren, dass es jetzt soweit war, aber wir haben natürlich auch die Fortsetzung gesehen."

Energiefrage

Denn als Nummer 285 schon baggerte, wurden gleichzeitig weitere der stählernen Giganten zusammengebaut und für ihren Einsatz vorbereitet. Das hatte einen handfesten Hintergrund: Der Energiebedarf stieg in den 1970er-Jahren sprunghaft an, und neben Steinkohle und der damals aufkommenden Atomenergie sollte die Braunkohle als einziger heimischer Energieträger einen wichtigen Anteil in der Stromversorgung einnehmen.

Das führte schließlich zur Entwicklung solch gigantischer Geräte. So groß und schwer wie eine Stahlbrücke über den Rhein, 200 Meter lang, 100 Meter hoch - und das Schaufelrad als Werkzeug des Baggers mit einem Durchmesser von über 20 Metern. Angetrieben von fast 3.000 PS starken Elektromotoren. Ein Baggerfahrer sagte damals: "Er spricht besser an bei jeder Funktion, ob Schwenken, Heben oder Fahren. Man kann auf den Millimeter genau fahren damit. Das hat direkt Spaß gemacht, mit einem so großen Gerät zu fahren. Der Führerstand, der ist viel größer als bei den älteren Geräten, alles viel komfortabler, alles einfacher zu bedienen. Man gewöhnt sich ganz schnell daran, wenn man ein halbes Jahr hier drauf ist, dann ist man wie zu Hause auf dem Bagger, man kennt jede Ecke, jeden Winkel."

Braunkohle wurde im rheinischen Revier schon vor der Jahrhundertwende gefördert, anfangs noch mit Schaufel und Schubkarre, später mit Dampf getriebenen kleinen Baggern. Anfang der 1950er-Jahre dann kamen die Schaufelradbagger, und Mitte der 1970er-Jahre dann solche Riesen wie Nummer 285. Wollte man seine Förderleistung von Hand vollbringen, man bräuchte 40.000 Mann. Fünf Mann hingegen reichen aus, um einen Bagger zu bedienen.

Technisches Wunderwerk?

Ein technisches Wunderwerk? Damals nicht für Dieter Henning: "Es ist kein Wunder, aber es ist eine faszinierende, funktionierende Technik, die wir hier in Bewegung gesetzt haben. Aber man muss bedenken: Warum machen wir das alles? Das ist ja kein Selbstzweck, sondern es ist der Beitrag des Bergbaus zur kostengünstigen Förderung von Kohle, die letztendlich ein Drittel der deutschen Stromversorgung sicherstellt - also keine ganz unbedeutende Angelegenheit im Konzert von praktizierter Technik. Und alles das findet mitten in Deutschland statt, mitten in einer dichtbesiedelten Landschaft, sichert Zehntausende Arbeitsplätze, sichert Strom auf der Basis eines heimischen Rohstoffes. Und so ein ganz klein bisschen stolz auf die Funktionsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit dieser Technik bin ich schon. "


Autor: Henrik Böhme
   
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