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2.5.1998: Der Euro-Beschluss
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Es war der 2. Mai 1998 - eigentlich schon der 3. Mai, denn die Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs hatten sich bis nach Mitternacht hingezogen, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die historische Entscheidung bekannt gab: "Es war völlig klar, dass dies heute ein großer und bedeutender Tag für Europa ist. Ein großer und bedeutender Tag für Europa, weil wir die wesentlichen Entscheidungen zur Einführung des Euro getroffen haben". Die Europäische Union hatte sich auf die Einführung einer gemeinsame Währung geeinigt: den Euro.

Helmut Kohl damals: "Die Wirtschafts- und Währungsunion ist eine ganz entscheidende Antwort auf den immer schärfer gewordenen weltweiten globalen Standortwettbewerb zwischen Staaten und Regionen in der Welt. Die Euro-Zone, die sozusagen jetzt heute eingesegnet wurde, steht mit einem einheitlichen Markt mit gemeinsamer Währung für zunächst 300 Mio. Menschen mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Welteinkommen ,und das heißt durchaus vergleichbar mit der Situation der Vereinigten Staaten."

Es war ein langer und oft mühsamer Prozess, bis der Euro dann endgültig beschlossene Sache war. Fast drei Jahrzehnte zuvor, im Dezember 1969, einigte sich die Europäische Gemeinschaft auf den so genannten Werner-Plan, benannt nach dem damaligen luxemburgischen Ministerpräsidenten Pierre Werner. Danach sollte die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion bereits 1980 Wirklichkeit werden.

Zwischenstation: Maastricht

Doch die Währungsturbulenzen der 1970er-Jahre machten dem schönen Plan ein schnelles Ende. Bis 1986 begnügten sich die EU-Länder mit einer Währungskooperation im Europäischen Währungssystem.

Dann aber wurde ein neuer Anlauf genommen, in der gemeinsamen Europäischen Akte stand das Ziel eines einheitlichen europäischen Binnenmarktes und einer gemeinsamen Währung. Die Pläne lagen vor, eine Regierungskonferenz wurde beauftragt, einen Unionsvertrag auszuarbeiten, seit der Unterzeichnung im Februar 1992 als Vertrag von Maastricht bekannt geworden.

Die Vorbereitung auf das große Ziel der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurden in den folgenden Jahren intensiviert, ein nicht immer leichtes Unterfangen angesichts auseinanderdriftender nationaler Interessen.

Der Teufel steckt wieder im Detail

Doch im März 1998 dann der große Augenblick, als die EU-Kommission ihre Empfehlung vorlegte, nach der damals elf der 15 EU-Staaten beim Start der Währungsunion dabei sein sollten. Die Stabilitätskriterien verfehlt hatte übrigens nur Griechenland, aber Großbritannien, Dänemark und Schweden wollten aus innenpolitischen Gründen noch nicht gleich beim Start des Euro dabei sein. Damit hätte der offizielle Beschluss der Staats- und Regierungschefs über die Einführung des Euro am 2. Mai 1998 eigentlich nur noch Formsache sein sollen.

Wenn nicht der Teufel wieder einmal im Detail gesteckt hätte. Denn über die Frage, wer denn als erster Präsident der Europäischen Zentralbank über die Stabilität der künftigen gemeinsamen Währung wachen sollte, kam es zum Streit. Hatten sich die meisten darauf festgelegt, dem Niederländer Wim Duisenberg die erste achtjährige Amtsperiode anzuvertrauen, wollten die Franzosen ihren eigenen Kandidaten Jean-Claude Trichet durchbringen.

Schließlich kam ein etwas anrüchiger Kompromiss heraus: Duisenberg erklärte, dass er aus Altersgründen seinen Platz möglicherweise nach der Hälfte der Amtszeit räumen werde, und alle waren zufrieden, auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl: "Es war ein ganz ungewöhnlich hartes Ringen und eine der in meiner Erfahrung der europäischen Arbeit, wo ich mehrere Stationen dieser Art in der Vergangenheit immer wieder erlebt habe, eine der schwierigsten Stunden. Ich bleibe dabei, dass die Entscheidung der Nomination von Wim Duisenberg eine ganz ungewöhnlich sachgerechte und gute Entscheidung ist, und das wird der Europäischen Zentralbank und damit dem Euro und damit allen in Europa sehr zugute kommen."


Autor: Joachim Falkenhagen
   
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