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9.3.1945: Filmpremiere von "Kinder des Olymp"
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1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, beginnt der junge französische Regisseur Marcel Carné mit den Dreharbeiten zu einem neuen Film. Zwei Jahre lang arbeitet er unter den Augen der deutschen Besatzer an seinen "Kindern des Olymp".

Am 9. März 1945 erlebt der Film im befreiten Paris eine umjubelte Premiere. 54 Wochen läuft "Kinder des Olymp" ununterbrochen in den Kinos der Hauptstadt. Er gilt als Klassiker des poetischen Realismus, des französischen Kinos, ja als einer der schönsten und besten Filme aller Zeiten.

Die "Kinder des Olymp", im französischen Original "les enfants du paradis", die "Kinder des Paradieses" ist eine Geschichte aus dem Pariser Theatermilieu des 19. Jahrhunderts. Die "Kinder des Olymp", das sind die armen Zuschauer oben auf den billigen Plätzen.

Das Theater, das Leben und die Liebe

Ein Film über das Theater, über das Leben und natürlich über die Liebe. Besser sollte man vielleicht sagen, über die verschiedenen Spielarten der Liebe: das wahllose Begehren, die Eigenliebe, die romantische Liebe und immer wieder die enttäuschte Liebe, die unerwiderte, die zerstörerische Leidenschaft. Das Liebeskarussell dreht sich in diesem Film fortwährend - die Momente des Glücks sind dabei nur von kurzer Dauer.

Im Mittelpunkt des Begehrens steht die schöne Garance. Ihr verfallen die Männer reihenweise. Der Verbrecher Lacenaire, der reiche Graf Eduard, der selbstbewusste Schauspieler Frédéric und der träumerische Pantomime Baptiste.

Sie ist alles andere als einfach, die Liebe, das bekommen alle Figuren des Films zu spüren. Denn Garance, die vor der unbedingten Leidenschaft von Baptiste zurückschreckt, lässt sich stattdessen mit dem leichtlebigen Schauspieler Frédéric ein. Baptiste leidet und wartet, und mit ihm leidet und wartet seine Kollegin Natalie, die ihn seit langem liebt.

Das Liebes- und Leidenskarussell

Wenig später wird Garance durch einen ihrer verflossenen Liebhaber, den Verbrecher Lacenaire, in eine Mordgeschichte verwickelt und flüchtet zu ihrem reichen Bewunderer Graf Eduard. Als sie Jahre später nach Paris zurückkehrt, findet sie Baptiste als verheirateten Familienvater vor. Aber schnell stellt sich heraus, dass ihre Gefühle füreinander nicht erkaltet sind - und so dreht sich das Liebes- und Leidenskarussell von neuem.

Das Schlussbild des Films, der unglückliche Baptiste, der im Gedränge des Pariser Karneval verzweifelt nach seiner Garance ruft, die mal wieder und diesmal vielleicht für immer aus seinem Leben verschwindet, ist unvergesslich.

Die schwarz-weißen Bilder des Films schaffen eine ganz eigene Ästhetik, die Augen der Figuren scheinen zu glühen, die Szenen des nächtlichen Paris mit seinen dunklen Gassen und Spelunken der Halbwelt wirken realistisch und poetisch zugleich, wie auch die Theaterwelt, die Bühne, auf der der unglückliche Baptiste seine Leiden in Kunst verwandelt. Eine Liebeserklärung ans Theater, aber auch eine Parabel: das Theater als Lebensbühne und das Leben als Theater.


Autorin: Rachel Gessat
   
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