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15.2.1867: Premiere des "Donauwalzers"
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Und immer grüßt das Murmeltier, könnte man sagen, wenn beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker der offizielle Teil des Programms vorbei ist und die Zugaben beginnen. Das sind zunächst ein oder zwei Stücke, die sich Dirigent und Orchester für diesen Anlass aufgehoben haben.

Und dann dieses: Das vorletzte Zugabestück beginnt. Die ersten Geigen tremolieren hoch und leise einen A-Dur Akkord, und schon vor dem ersten Horneinsatz beginnt das Publikum zu applaudieren. Jeder weiß was kommt, von nun an gibt es keine Überraschungen mehr. Jedes Jahr dieselben beiden Stücke zum Beschluss, als allerletztes, zum Mitklatschen, bitte sehr, der Radetzky-Marsch, und davor: der Donauwalzer.

Uraufführung ohne Strauß

Am 15. Februar des Jahres 1867 ist der Walzer zum ersten Mal gespielt worden, und zwar bei einem Faschingsball in den Wiener Dianabad-Sälen. In Österreich nennt man den Walzer "An der schönen blauen Donau" kürzer und weniger kitschig schlicht "Donauwalzer".

Die Uraufführung wurde übrigens nicht von Johann Strauß geleitet, denn der hatte an diesem Abend einen Auftritt am Kaiserlichen Hof. Einen Termin also, den man nicht wegen eines Faschingsballes absagt. So kam der Chor-Direktor des Wiener Männergesangsvereines, Rudolf Weinwurm, zu der Ehre, den Donauwalzer als Erster zu dirigieren.

Es spielte an jenem Abend die Kapelle des Infanterie-Regimentes Nr. 42, "Georg V., König von Hannover", das zu dieser Zeit in Wien stationiert war.

Warten auf den Walzer

Die Verantwortung für den Erstaufführungstermin trägt übrigens der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck. Johann Strauß, der sehr patriotisch empfand, wollte während des von Bismarck provozierten preußisch-österreichischen Krieges keine heitere Musik schreiben. Besonders nach der Niederlage von Königgrätz sah er sich dazu nicht in der Lage.

So musste auch ein Kompositionsauftrag des Wiener Männergesangsvereines warten, den Strauß für den Sommer 1866 zu erfüllen hatte. Dieser Auftrag bestand in der Komposition eines großen Konzertwalzers. So machte sich Strauß erst nach dem Friedensschluss vom 3. Oktober 1866 an die Arbeit, und die Uraufführung des Donauwalzers konnte erst in der darauf folgenden Ballsaison stattfinden.

Ewiger Schlager

Ein häufiger Grund für Irritationen ist die Frage, wer diesen Walzer denn komponiert hat. Johann Strauß, klar, aber nicht der Vater. Der hat zwar auch viele Walzer geschrieben und vor allem das letzte Stück jedes Neujahrskonzertes, den Radetzky-Marsch. Doch der Donauwalzer ist von seinem Sohn Johann, dem Walzerkönig.

Viele Musiker schwören jedoch, dass dieser ewige Schlager bestimmt nicht der beste Walzer vom Strauß-Sohn ist. Jeder hat da natürlich seine eigenen Favoriten, aber es könnte nicht schaden, einmal "Rosen aus dem Süden", die "Frühlingsstimmen" oder "Künstlerleben" zu hören.

Es sei aber auch nicht verschwiegen, dass gerade der Donauwalzer berufene Verehrer hat. Richard Wagner etwa bewunderte ausdrücklich die kunstvolle Einleitung des Walzers und von Johannes Brahms ist überliefert, wie er einmal das Hauptthema des Walzers auf einer Serviette notierte und darunter schrieb: "Leider nicht von mir!"

Seit seiner sehr erfolgreichen Uraufführung am 15. Februar 1867 ist dieser Walzer nicht mehr von den Konzertprogrammen verschwunden, und ein Neujahrskonzert ohne ihn ist völlig undenkbar.


Autor. Dirk Kaufmann
   
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