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12.2.1948: Augsburger Puppenkiste gegründet
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Schreitet man durch das hölzerne Eingangstor, glaubt man, in eine andere Zeit zu gelangen. Die Puppenkiste ist im mittelalterlichen Säulengewölbe eines ehemaligen Augsburger Heilig-Geist-Spitals beheimatet und wirkt wie ein übrig gebliebenes Eiland im Meer der Moderne.

Alles steht voll mit alten Möbeln, Requisiten, Werkzeugen. Von der Decke hängen verschiedene Marionetten, auch der Kasper, der seit der ersten Vorstellung dabei ist und vom Gründer der Augsburger Bühne Walter Oehmichen geschnitzt wurde:

Figuren erwachen

Fast ihr gesamtes Leben hatte die Tochter Hannelore Marschall-Oehmichen (1931-2003) im Puppentheater verbracht. Sie hatte die Marionetten geführt und über all die Jahre die Puppen gefertigt, sie entworfen und selbst geschnitzt. Direkt neben dem Bühnenraum befindet sich die Schreinerwerkstatt, wo die Dekorationen und die Puppenkörper entstehen.

Meist beginnt die Arbeit mit dem Kopf, sagte Marschall-Oehmichen einmal. Auf diese Weise entstehen kleine Kunstwerke. 50 Arbeitsstunden braucht man für eine Puppe bis sie bühnenreif ist.

Ein Herz für Marionetten

Gründer Walter Oehmichen selbst war Schauspieler und kam vom Theater, bevor er sein Herz für die Marionetten entdeckte. Er brachte seine Erfahrungen von den großen Bühnen mit und hat sie auf seiner Puppenbühne umgesetzt.

Bis heute wird in der gleichen Tradition gearbeitet. Dazu gehört auch, dass der technische Apparat der Bühne mehr einem großen Sprechtheater ähnelt, als einer traditionellen Puppenbühne. So gibt es, vergleichbar einer Drehbühne, variable, kleine Laufbühnen und ein raffiniertes Beleuchtungssystem, das erstaunliche Effekte ermöglicht. Auch die Kulissen bilden nicht einfach nur einen Hintergrund, sondern öffnen Räume, in denen die Darsteller agieren.

Die Mischung aus hohem künstlerischen Anspruch und technischer Perfektion brachte den internationalen Erfolg der Augsburger Puppenkiste und erfreute die Kinderherzen - auch in regelmäßigen Fernsehübertragungen.

Die berühmte Kiste

Doch die Anfangsjahre waren alles andere als rosig. Bereits 1944 versuchte Walter Oehmichen ein Puppentheater in den Ruinen Augsburgs zu eröffnen. Doch in einer Bombennacht wurde es zerstört. Alles: Puppen, Kulissen und Dekorationen verbrannten.

Aber schon vier Jahre später spielte die Puppenkiste wieder, wenn auch mit undichtem Dach und improvisierten Wänden aus alten Fahnen. Die berühmte Kiste, vor der Generationen von Kindern mit gespannten Erwartungen sitzen, bis sich endlich die Deckel öffnen, hatte am 26. Februar 1948 Premiere.



Autorin: Doris Bulau
   
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