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2.2.1990: Ende der Apartheid in Südafrika
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Es war ein sonniger, aber windiger Tag in Kapstadt, dieser 2. Februar 1990. Und was am frühen Morgen noch niemand wusste, es war der Wind des Wandels, der durch die Stadt blies, denn es war der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika.

Apartheid, das war die staatlich durchorganisierte Politik der getrennten Entwicklung. Ein ganzes Bollwerk von Gesetzen, das es schwarzen Südafrikanern verbot, als gleichberechtigte Bürger in ihrer Heimat zu leben. Die Minderheit schloss die Mehrheit der Bevölkerung einfach weg - in Townships, die immer mehr verslumten, und in entlegene Reservate, die das weiße Regime zu schwarzen Homelands deklarierte.

Hinter jedem Gesetz und hinter jedem noch so kleinen Verbot steckte die Ideologie von der Minderwertigkeit der schwarzen Rasse. Aber ohne staatlichen Terror war die Politik der Unterdrückung nicht durchzusetzen, denn Millionen von Menschen lassen sich nicht einfach wegsperren und einzäunen. Die Kosten der Rassentrennung fraßen immer tiefere Löcher in den Staatshaushalt, und der schwarze Widerstand, der unbändige Wunsch nach Freiheit, war ungebrochen.

Eine Sensation

Auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der regierenden Nationalen Partei hält Frederik Willem De Klerk seine Rubikon-Rede. Seit vier Monaten ist er Präsident von Südafrika, und er sagt zur Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des Neunten Parlaments der Republik Südafrika genau das, was andere noch nicht einmal leise denken wollen. Er spricht von einer neuen und gerechten Verfassung, er kündigt die Suspendierung der Todesstrafe an, und er spricht von gleichen Rechten für alle.

Das Gemurmel im Sitzungssaal artet in Geschrei aus. Der Sitzungspräsident sorgt mit lauten Hammerschlägen für Ordnung. Dann, um ziemlich genau viertel nach elf an diesem Morgen, sagt Frederik Willem De Klerk mit fester Stimme, dass Nelson Mandela schon in Kürze freikommt. Und er duldet keinen Widerspruch in dieser Angelegenheit: "I wish to put it plainly that the government has taken a firm decision to release Mr. Mandela unconditionally. I am serious. I am serious about bringing this matter to finality without delay."

Eine Sensation. Mandela bald frei, seine Organisation ANC und andere Widerstandsbewegungen wieder legal, die weiße Regierung will verhandeln. Die Zuhörer trauen ihren Ohren nicht. Nelson Mandela sitzt zu diesem Zeitpunkt seit 28 Jahren in Haft. Aber im Geheimen laufen die Verhandlungen über seine Freilassung schon seit Monaten.

"Der lange Weg zur Freiheit"

In seiner Autobiografie "Der lange Weg zur Freiheit" erinnert er sich an diesen 2. Februar 1990: "Es war ein atemberaubender Augenblick. Über Nacht war unsere Welt verändert. Nach 40 Jahren Verfolgung und Verbot war der ANC jetzt eine legale Organisation. Ich und alle meine Kameraden konnten nicht mehr verhaftet werden, weil wir Mitglieder des ANC waren, sein grün-gelb-schwarzes Banner trugen und in seinem Namen sprachen. Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren konnten meine Worte und Bilder wie die all meiner verbannten Kameraden frei in südafrikanischen Zeitungen erscheinen."

Nur neun Tage nach De Klerks Rubikon-Rede ist Nelson Mandela ein freier Mann. Als er durch das Gefängnistor kommt, sind Fernsehkameras aus aller Welt live dabei, und in Südafrika ist tatsächlich nichts mehr so, wie es einmal war.


Aber was hat den letzten weißen Präsidenten der Kap-Republik zu diesem Schritt getrieben? In den unzähligen Interviews, die er nach seiner Rede geben muss, gibt er einen Einblick in den geheimen Entscheidungsprozess: Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus sei der Druck von innen und außen zu groß geworden, Südafrika sei am Ende einer Sackgasse angekommen und stehe mit dem Rücken zur Wand.

De Klerk sieht sein Land am Abgrund. Er weiß, dass ein moderner Kapitalismus unter den Bedingungen einer Sklavenhaltergesellschaft nicht funktionieren kann. Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit sind nach den Jahren der Unterdrückung viel zu groß geworden und verstärken die Wut und den Willen zur Freiheit.

Zeitenwende am Kap

Bis zu den ersten freien Wahlen am 27. April 1994 sterben in Südafrika noch über 15.000 Menschen durch politischen Terror. Die Zeitenwende am Kap ist nicht so einfach wie das Umschlagen einer Seite im Buch der Geschichte. Und das entbehrungsreiche Leben der meisten Schwarzen und das privilegierte Leben der meisten Weißen sind bis heute deutliche Belege dafür, welchen Langzeitschaden die Apartheid angerichtet hat.

Und trotzdem: De Klerk hat mit seiner Rede vom 2. Februar 1990 einen Prozess in Bewegung gesetzt, der unumkehrbar ist. 1993 bekommen Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk gemeinsam den Friedensnobelpreis verliehen, und als Mandela ein Jahr später der erste schwarze Präsident seines Landes wird, vergisst er nicht, sich bei seinem Amtsvorgänger und Verhandlungspartner zu bedanken: "The process became comparatively easy when Mr. De Klerk became the President of the country. He showed a courage, and honesty and willingness to sit down and talk with the African National Congress."


Autorin: Sandra Petersmann
   
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