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5.2.1936: Premiere des Chaplin-Films "Modern Times"
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Eine Kinokomödie parodiert die Auswüchse der Weltwirtschaftskrise. Menschen kämpfen gegen Maschinen, gegen Ausbeutung, gegen nackte Not. Im Mittelpunkt einer, der versucht sich durchzuschlagen: Ein kleiner Tramp mit Melone, Schnurrbärtchen, Riesenschuhen und Spazierstöckchen. Autor, Regisseur und Hauptdarsteller: der berühmteste Filmkomiker aller Zeiten, Charlie Chaplin: "Die Leute sagen, ich sei ein lustiger Mensch. Bin ich gar nicht. Ich bin ein sehr ernster Mann. Oftmals weiß ich überhaupt nicht, wie ich was ausdrücken soll. Deswegen habe ich für meine Filme immer so lange gebraucht - und das Schwierigste ist, es aussehen zu lassen, als sei es einfach."

Der letzte Stummfilm

Vier Jahre braucht Chaplin, um "Modern Times" - "Moderne Zeiten" - fertig zu stellen. Der Film ist ein Endpunkt. Zum letzten Mal verwendet Chaplin seine legendäre Aufmachung als kleiner Tramp - und dreht zum letzten Mal in der Kinogeschichte einen Stummfilm. Längst regiert der Tonfilm, aber einmal noch vertraut Chaplin seiner wortlosen Pantomimenkunst. Den Ton beschränkt er auf Musik und Geräusche, nur einer darf kurz sprechen: Der Fabrikbesitzer, der von einer riesigen Projektionswand herab seine Arbeiter überwacht.

Der kleine Tramp, als Hilfsarbeiter am Fließband, schraubt zu langsam. Er verfängt sich an einem Werkstück und wird in das gigantische Räderwerk der Maschine hineingezogen. Eine Szene, mit der Chaplin Kinogeschichte schreibt. Überhaupt ist "Modern Times" eher eine Verkettung von komödiantischen Einzelszenen, als eine große, dramatische Handlung.

Entzücken beim Publikum

Das Premierenpublikum am 5. Februar 1936 im New-Yorker Rivoli-Kino ist entzückt. Die Musik zu "Modern Times" beruht auf Chaplins eigenen Einfällen; auch Chaplins Singstimme ist zu hören. In einem Restaurant soll der kleine Tramp mit einem Lied die Gäste unterhalten. Im entscheidenden Moment vergisst er den Text und erfindet eine absurde Phantasiesprache. Er muss das Restaurant wieder verlassen; auch diese Arbeit hat ihm kein Glück gebracht.

Staatliches Misstrauen, künstlerische Ehrung

Chaplin versteht "Modern Times" nicht als politische Satire, sondern als Unterhaltung. Trotzdem wird er der US-amerikanischen Regierung nie mehr ganz geheuer sein. Nach langjährigen Anfeindungen muss der gebürtige Brite seine Wahlheimat USA verlassen. Jahrzehnte später kommt die Genugtuung: Mit 83 Jahren wird Charles Chaplin der Ehren-Oscar für sein Lebenswerk und sein Meisterstück "Modern Times" verliehen.


Autorin: Catrin Möderler
   
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