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27.1.1991: Boris Becker auf Platz Eins der Weltrangliste
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Boris Becker ist die Nummer Eins des Tennissports. Mit 23 Jahren besteigt er in Melbourne, bei den Australian Open, den Tennisthron. Es ist der 27. Januar 1991. In einem dramatischen Finale besiegt Becker den Tschechen Ivan Lendl in vier Sätzen.

Seit sieben Jahren ist der Leimener nun Tennisprofi, seit mindestens sieben Jahren hat er auf diesen Moment gewartet. Sieben Jahre der Höhen und Tiefen liegen hinter ihm. Bereits 1984 tritt er in Wimbledon an und kämpft sich bis zur dritten Runde durch. Verletzungsbedingt muss er aufgeben.

Geburt eines Helden

Dann die Saison 1985. Der Leimener mit Wohnsitz in Monaco empfiehlt sich für Wimbledon als frischgebackener Junioren-Weltmeister. Die ganze Nation sitzt vor den Radios oder den Bildschirmen und starrt auf diesen jungen Mann, den vor dem zweiwöchigen Turnier bei London kaum jemand kennt. Ein 17-Jähriger, der seinen südafrikanischen Gegner in einem dramatischen Aufschlagduell in Schach hält.

Geschichte wird geschrieben an diesem Tag 1985: Becker ist der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten, außerdem gewinnt zum ersten Mal ein Ungesetzter das wichtigste Tennisturnier der Welt. Aber was viel schwerer wiegt, es ist der Tag Eins eines neuen Nationalsports und die Geburt eines Helden.

In die Schlagzeilen

Kein Tag vergeht, an dem Boris Becker nicht in den Schlagzeilen steht. Die Verleihung "Sportler des Jahres" ist nur eine der Meriten aus dieser Zeit. Seine Erfolgsgaranten sind zwei Männer aus Rumänien: der väterlich anmutende Trainer Günther Bosch und Manager Ion Tiriac.

1986 gelingt Becker wieder der Coup in Wimbledon. Diesmal schlägt "Bum Bum Becker" in seinem Wohnzimmer Ivan Lendl mit Beckerhecht und am Schluss mit empor gestreckter Beckerfaust. Die Galionsfigur des deutschen Tennis rückt auf Platz Zwei der Weltrangliste.

Jeder Sieg aber besonders jede Niederlage hüllt die Nation in Fragen. Waren es wieder die Nerven, ist er dem frühen Erfolg und Ruhm gewachsen oder läuft etwas schief im Privatleben? Becker ist nicht nur bester deutscher Tennisspieler, sondern auch der Junge aus Wimbledon, der vor den Augen seiner Landsleute erwachsen wird. Den Gesprächsstoff liefert nicht nur die Boulevardpresse.

Becker trennt sich von Trainern, Becker geht erste Beziehungen ein, Becker feiert Siege mit dem Daviscupteam und unzählige Einzelerfolge. Becker durchwandert Formtiefs. Oft ist es der Körper, der den Dienst verweigert, manchmal auch die Nerven. Becker denkt sogar ans Aufhören, 1990 zum Beispiel.

In die Geschichtsbücher

Ein Jahr später, 1991 in Australien, die Verheißung. Beim ersten Grand Slam Turnier des Jahres rückt der Tennisthron in greifbare Nähe. Noch ist er vom Schweden Edberg besetzt, doch Becker kämpfte sich durch bis zum Finale und siegt. Die Weltpresse frohlockt: "Becker nimmt die Krone." - "Die Tenniswelt jubelt in einer Welle der Emotionen einem neuen König zu." - "Es gibt keinen Zweifel an der Härte dieses 23-Jährigen."

Becker bleibt ganze drei Wochen auf Nummer eins, und Mitte des Jahres wird er für zwei Monate auf den Thron zurückkehrt. Nicht nur deshalb schreibt er sich in die Geschichtsbücher ein. 49. Einzeltitel, zwei Daviscupsiege und einmal Olympiagold zeichnen den Sportler Becker aus.

1999 beendet er in Wimbledon, dort wo alles begonnen hat, seine Sportlerkarriere. Ruhiger ist es deshalb um den Privatmenschen Becker nicht geworden.



Autor Oliver Ramme
   
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