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15.1.1909: Jazzlegende Gene Krupa geboren
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Gleich der Anfang war eine Sensation: "Nobody's Sweetheart", aufgenommen am 16. Dezember 1927, war Gene Krupas erste Schallplattenaufnahme und gleich eine Revolution: Zum ersten Mal spielte ein Schlagzeuger auf einer Platte die Bass-Trommel.

Bis dahin hatten sich die Toningenieure stets geweigert, das Instrument aufzunehmen, weil regelmäßig die Aufnahmenadel aus den Wachsrollen sprang und die ganze Aufnahme umsonst war. Doch der damals gerade 18 Jahre alte Gene Krupa aus Chicago hatte seine eigenen Vorstellungen von der Rolle des Schlagzeugers. Er wollte mehr sei, als nur Takt-Vorgeber, und er konnte die Trommeln so spielen, dass die Nadel im Wachs blieb.

Pop-Musik im Klassik-Tempel

Die Bass-Trommel-Revolution in den Okeh-Studios von Chicago sollte nicht die letzte Neuerung mit und durch Gene Krupa sein. Einen Tag nach Krupas 29. Geburtstag, am 16. Januar 1938, wurde Jazz-Geschichte geschrieben: Das Carnegie Hall-Konzert der Benny Goodman Big Band. Zum ersten Mal wurde populäre Musik in die Hallen der klassischen Musik gelassen, zum ersten Mal gab es ein Solo eines Schlagzeugers.

Seit 1927 war Krupa zum gefragten Band-Musiker geworden. Seine Kollegen, Arbeitgeber und Freunde von damals sind heute Legenden. Zusammen mit Benny Goodman und Glenn Miller etwa spielte er in den Orchestergräben der Broadwaytheater für die Gershwin-Musicals "Strike Up The Band" und "Girl Crazy". Mit Goodman und anderen Musikern formierte er sich zu einer Band, in der er durchaus prominent spielen konnte.

Zwist mit Goodman

Nach dem Schlagzeug-Solo im Song "Sing, Sing, Sing" wollte das Publikum Krupas Trommelwirbel in jedem Song hören. Da war Goodman dann doch verärgert und Krupa kündigte. Im April 1938 hieß es Vorhang auf für "Gene Krupa and his sensational new orchestra". Die große Zeit und der große Erfolg kamen.

Gene Krupa wurde zum Schlagzeuger-Maestro. Mit seinen Techniken wurde er zum Vorbild und Lehrer einer ganzen Drummer-Generation. Er schrieb das Buch "The Gene Krupa Drum Method" und rief 1941 den "Gene Krupa Drum Contest" ins Leben.

Trotz großer Soli ein Teamplayer

Es folgten Rollen in mehreren Hollywood-Filmen, eine sensationelle Festnahme und Gefängnisstrafe wegen vermeintlichen Drogenbesitzes, und ab den 1950er-Jahren eine Zusammenarbeit mit allen Größen seiner Zeit: Klarinettist Buddy DeFranco, Saxophonist Charlie Ventura und Trompeter Red Rodney.

Krupa blieb dabei nie bei einem Stil. Ständig experimentierte er mit neuen Rhythmen und neuen Schlagzeugelementen. Auch wenn er es war, der das legendäre erste Schlagzeug-Solo damals in der Carnegie Hall gespielt hatte- ihm war es nicht so wichtig, eine große Solorolle zu spielen: "Ich hab' mir immer genau das Publikum bei meinen Soli angesehen, und wenn ich merkte, jetzt werden sie unruhig, dann habe ich den ganzen Schnickschnack gelassen und hab' wieder das ganze Ensemble spielen lassen."

Unerreichte Trommel-Kunst

Mit den 1960er-Jahren musste Krupa dann kürzer treten. Seine Gesundheit wurde zunehmend schlechter, er litt an Rückenproblemen, aber auch Leukämie und letztlich ein Herzinfarkt machten ihm zu schaffen. 1972 und 1973 trat er noch ein paar Mal mit Benny Goodmans Reunion Band auf, doch am 16. Oktober 1973 starb er.

Krupas Schlagzeug-Kunst bleibt für viele Experten unerreicht. Kollege und Rivale Buddy Rich würdigte Gene Krupa am Grab dann auch als "den Anfang und das Ende aller Jazz-Trommler".



Autor: Jens Teschke
   
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