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7.12.1941: Angriff auf Pearl Harbor
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7. Dezember 1941, 7.55 Uhr: In Pearl Harbor rufen die Kirchenglocken zum Gottesdienst als plötzlich Kampfflugzeuge der kaiserlich-japanischen Marine ihre Bomben über der Hawaii-Insel Oahu abwerfen. Der Rundfunk unterbricht seine Übertragung der fünften Symphonie von Schostakowitsch aus der New Yorker Carnegie-Hall - für diese Sondermeldung:

Rundfunkübertragung: "We interrupt this program to bring you a special news bulletin. The Japanese have attacked Pearl Harbor, Hawaii, by air, President Roosevelt has just announced. The attack also was made on all naval and military activities of the principal island of Oahu."

Nach zwei Stunden ist der überraschende Angriff auf die Pazifikflotte der Vereinigten Staaten beendet. Zurück bleibt ein Inferno. 2500 Menschen sterben: verbrannt, ertrunken oder von Bomben zerfetzt; insgesamt 21 Kriegsschiffe werden versenkt, 200 Kampfflugzeuge sind zerstört oder beschädigt.

George Custis erlebte damals den Angriff mit. 60 Jahre danach erinnert sich der damals 19-jährige Minenspezialist an einen Seemann, der am Strand zusammenbrach, ölverschmiert, rot und grün um die Augen, die Worte stammelnd: "Was zur Hölle ist passiert?"

George Custis: "When I was down on the beach, I could hear running footsteps. And finally a sailor appeared at the top of the bluff and felt down on the beach. He was completely covered in oil. The only thing I could see on his face was red and green around his eyes. And all he could say, was: 'What the hell happened? What the hell happened?'"

Doch nachhaltiger als Tod und Vernichtung wirkte das Ende eines nationalen Mythos, des Glaubens an die eigene Unverwundbarkeit. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wurden die Vereinigten Staaten von einer ausländischen Macht auf dem eigenen Territorium angegriffen, die politische Isolierung vom europäisch-asiatischen Kriegsgeschehen war damit beendet.

In den 1930er Jahren noch und selbst nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte sich der US-Kongress für eine Politik des "Sich-Raushaltens" entschieden. Für die Bevölkerung galt der Slogan "America first". Dem Gallup-Institut zufolge antworteten im September 1939 auf die Frage, ob die USA sich militärisch gegen Deutschland wenden sollten, 84 Prozent der Interviewten mit "Nein".

Anders dagegen Franklin D. Roosevelt, seit 1933 Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Ziel war es, das Land aus den Fesseln der selbstverordneten Neutralität zu befreien und seine politischen Gegner, vor allem im Außen- und Kriegsministerium, die Befürworter eines "apeasement", eines Ausgleichs mit dem NS-Regime in den Hintergrund zu drängen.

Der Überfall der Japaner auf Pearl Harbor besaß daher eine überragende innen- und außenpolitische Bedeutung. Der 7. Dezember 1941 wurde zum Tag der Schande, so Roosevelt, an dem die Vereinigten Staaten unvermittelt und absichtlich angegriffen worden waren von den Luft- und Seestreitkräften des Kaiserreichs Japan:

Franklin Delano Roosevelt: "Yesterday, December seventh 1941, a date that will live in infamy the United States of America were suddenly and deliberately attacked by navy and air forces of the Empire of Japan."

Von zentraler Bedeutung ist für die Vereinigten Staaten bis heute die Schuldfrage geblieben: Besaßen die US-Militärs Kenntnis von dem bevorstehenden Angriff der Japaner auf Pearl Harbor? Hatte Präsident Roosevelt diese Hinweise absichtlich ignoriert und das Desaster der Pazifikflotte bewusst in Kauf genommen, um das Land in den Zweiten Weltkrieg zu führen?

Eine Verschwörungstheorie, die bis heute von den Vertretern des außenpolitischen Isolationismus vertreten wird. Doch für diese These gibt es bislang keinerlei Belege, weder Militärhistoriker noch US-Politiker haben Unterlagen gefunden zur Stützung dieser Behauptung.

Autor: Michael Marek
   
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