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9.11.1939: Die göttliche Garbo als "Ninotschka
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Filmszene "Ninotschka", Greta Garbo: "Ich bin Iwanowa Jakuschowa. In besonderem Auftrag. Ich unterstehe unmittelbar dem Befehl Kommissar Rassinins. Mein Geschlecht ist ganz nebensächlich. Wir leben, um zu arbeiten. Und deswegen bin ich hergekommen."

Eine Sowjetfunktionärin in Paris, sie soll drei Kollegen auf die Finger schauen. Die verkaufen im Auftrag Moskaus enteignete Juwelen und erliegen dabei all zu sehr dem süßen Leben. Eine Filmkomödie von Ernst Lubitsch, in der Hauptrolle streng, übernatürlich schön, aber doch abgrundtief bitter-satirisch: Greta Garbo.

Filmszene "Ninotschka", Buljanow (Felix Bressart), Ninotschka (Greta Garbo): "Wie ist die Stimmung in Moskau?" "Vorzüglich. Die letzten Massenhinrichtungen waren ein großer Erfolg. Es gibt wieder weniger, aber bessere Russen."

Als der Film am 9. November 1939 in New York Premiere hat, ist die Garbo 34 Jahre alt. Seit ihrem 17. Lebensjahr dreht die gebürtige Schwedin Filme. Mit zwanzig erobert sie Hollywood. Ihre vollkommene Schönheit und ihre phänomenale Darstellungskunst bringen ihr den Titel "Die Göttliche". Ihre Rollen sind durchweg ernst, sie sehnt sich nach einer Komödie. Das Drehbuch von Charles Brackett, Walter Reisch und dem noch unbekannten Billy Wilder kommt wie gerufen. Als "Ninotschka" darf Greta Garbo endlich komisch sein.

Filmszene "Ninotschka", Ninotschka (Greta Garbo), Graf Léon (Melvyn Douglas): "Hallo Sie!" "Meinen Sie mich?" "Können Sie mir eine Auskunft geben?" "Gerne!" "Sagen Sie, wann kommt man hier rüber?" "Wann? Wenn der Schutzmann wieder pfeift." "In welchen Zwischenräumen pfeift er?" "Seltsame Frage - hab ich mir noch nie überlegt." "Mit anderen Worten: Sie wissen's nicht!"

Greta Garbo verleiht der Ninotschka etwas von ihrer eigenen Persönlichkeit. Sie ist menschenscheu und verschlossen, sie gibt zeitlebens weder Autogramme, noch Interviews. Nur wenige enge Vertraute haben privaten Kontakt zu ihr. Ob sie jemals Liebesbeziehungen hat, bleibt ein Geheimnis. Auch der charmante Lebemann Graf Léon d'Algout alias Melvin Douglas beißt sich im Film an der kühlen Schönen erst einmal die Zähne aus.

Filmszene "Ninotschka", Graf Léon (Melvyn Douglas), Ninotschka (Greta Garbo): "Ninotschka, mögen Sie mich ein bisschen gern?" "Grundsätzlich habe ich gegen Ihr Äußeres nichts einzuwenden." "Ninotschka, sagen Sie mir, ist es denkbar, dass ich mich verliebt habe in Sie?" "Sie führen ganz falsche Werte ein. Liebe ist eine romantische Umschreibung für einen ganz gewöhnlichen biologischen, oder sagen wir, chemischen Vorgang."

Dem sich selbst Ninotschka irgendwann nicht mehr entziehen kann. Greta Garbo zeigt eine unwiderstehliche Wandlung von der rationalen, sibirisch-kühlen Frau zum glücklichen, unvernünftigen, verliebten Mädchen. Täuschend echt sind in der deutsch synchronisierten Fassung des Filmes Timbre und Ausdruck der Garbo wiedergegeben.

Filmszene "Ninotschka", Ninotschka (Greta Garbo), Graf Léon (Melvyn Douglas): "Léon, ich muss Dir noch etwas gestehen. Ich dachte, so etwas könnte man nicht sagen, weil ich dachte, so etwas dürfte man nicht sagen, weil es gar nicht sein kann. Ach, Léon, ich kann's nicht sagen!"

Der jungen Liebe droht Böses. Die Juwelen, die Ninotschka und ihre Genossen in Paris verkaufen sollen, gehörten früher der Großfürstin Swana. Die lebt in Paris im Exil, und sie hält sich ausgerechnet Graf Léon als ständigen Begleiter. Voller Eifersucht bringt sie die Juwelen an sich. Eine Erpressung soll ihr den untreuen Liebhaber zurückbringen.

Filmszene "Ninotschka", Großfürstin Swana (Ina Claire), Ninotschka (Greta Garbo): "Also, ich händige Ihnen alle Juwelen aus, einschließlich aller notwendigen Papiere. Unter der Bedingung, Sie fliegen um fünf Uhr dreißig nach Moskau!" "So können Sie Léon nicht wiedergewinnen. So nicht." "Überlassen Sie das mir. Also, Sie haben bis fünf Uhr genügend Zeit, um mit Mercier das Geschäft abzuschließen. Die Zeit ist natürlich zu kurz, um Abschied zu nehmen!"

Zurück in Moskau trauert Ninotschka ihrer verlorenen Liebe nach. Bis sie die Partei nach Konstantinopel beordert. Die Genossen wissen nicht, dass sie einer List des Grafen d'Algout aufgesessen sind. Eine Inszenierung, um seine geliebte Ninotschka wiederzusehen.

Filmszene "Ninotschka", Graf Léon (Melvyn Douglas), Ninotschka (Greta Garbo): "Sie ließen mich nicht rein, da musste ich Dich rausholen!" "Léon, ich bin nur für wenige Tage hier!" "In Ordnung, wenn Du nicht bei mir bleibst, dann werde ich weiter kämpfen. Ich entvölkere Russland! Genossin - Du hast einmal Dein Land gerettet, indem Du zurückgefahren bist. Diesmal musst Du hier bleiben, um es zu retten!" "Na, wenn ich also wählen darf zwischen meinen eigenen Interessen und dem Glück meines Landes - wie könnte ich da schwanken. Niemand soll sagen können, Ninotschka war eine schlechte Russin!"

Das große Happy-End wird der größte Triumph der Garbo. Und ihr letzter. Nach der "Ninotschka" wird sie nur noch einmal vor der Kamera stehen. Mit nur 36 Jahren zieht sie sich völlig überraschend aus dem Filmgeschäft zurück. Auf dem Höhepunkt ihrer Kunst und ihrer Schönheit will sie der Welt in Erinnerung bleiben, als Greta Garbo, "Die Göttliche".

Autorin: Catrin Möderler
   
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