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7.9.1982: Gesetz gegen die Mafia
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Der Mann singt von den Gesetzen der Mafia, von Blut, Ehre und Verschwiegenheit. Cosa nostra nennen die Sizilianer ihre Mafia - "unsere Sache". Eben eine Sache, die nur sie,die Sizilianer, verstehen. So wie es der Mafia-Boss Michele Greco erklärt:

"Die Mafia ist in den kleinen sizilianischen Dörfern auf dem Land entstanden. Da hat es immer eine Person gegeben, die besonders intelligent und weise war, um kleine Streitigkeiten zu schlichten. Eben eine Respektsperson. Das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes."

Das Wort "Mafia" wurde erstmals 1658 schriftlich erwähnt. Es steht für Wagemut, Hunger nach Macht und für Arroganz. In der Mitte des 19. Jahrhunderts schlossen sich in Sizilien erste Banden zusammen. Sie kämpften gegen den spätfeudalen Adel und gegen den Staat.

Schnell wurden sie respektiert, das Wort des Mafiabosses war Gesetz, und das größtmöglichste Verbrechen war und ist der Verrat. Die Zeiten haben sich gewaltig verändert. Aus der Hüterin von Recht und Ordnung in einem Dorf ist die blutrünstige Riesenkrake Mafia geworden.

Die Organisation sitzt an den Hebeln der italienischen Macht. Gerichte führen zwar immer wieder Prozesse gegen die cosa nostra, doch Politiker und Richter gehorchen oft den Bossen der Mafia.

1982 kürt die Regierung in Rom Alberto de la Chiesa zum obersten Mafia-Jäger. Da la Chiesa ist Carabinieri-General und hat erfolgreich den Links-Terrorismus bekämpft. Im Mai 1982 wird er Präfekt von Sizilien und sagt der Mafia den Kampf an.

Chiesa: "Es gibt nur eine Macht, die des Staates, seiner Institutionen und Gesetze. Diese Macht können wir nicht abtreten, weder an die Verbrecher, noch an die Gewalttätigen, noch an die Unehrlichen."

Da la Chiesa fordert vom Staat besondere Vollmachten. Er meint es ernst mit dem Kampf gegen die Mafia und deren Bosse wissen das. Am Abend des 3. September 1982 - nur 100 Tage ist er da la Chiesa im Amt - schießen zwei Killer auf ihn. Mitten in Palermo stirbt der General im Kugelhagel zweier Kalaschnikows. Da la Chiesa wurde Opfer, weil der Staat ihn hilflos in Sizilien zurückließ. Die Tochter des Präfekten, Rita da la Chiesa erhebt im Gerichtssaal schwere Vorwürfe.

Rita da la Chiesa: "Als ich in der Aufbahrungshalle der Präfektur ankam, sah ich auf dem Sarg meines Vater den Kranz der Region Sizilien. Ich habe diesen Kranz entfernen lassen. Ich erinnerte mich an das, was Vater oft zu uns sagte: 'Wenn die Mafia jemanden umbringt, ist der erste Kranz immer der des Auftraggebers.'"

Vor Gericht steht der Chef der sizilianischen Cosa nostra, Nito Santa Paula. Er soll die Killer für da la Chiesa angeheuert haben. Der Mafia-Boss bekommt lebenslänglich, doch in der zweiten Instanz wird er freigesprochen. Bis heute trägt keiner die Verantwortung für den Tod von Alberto de la Chiesa. Sein Sohn Nando:

"Es gibt keine Verantwortlichen für den Tod meines Vaters. Die Justiz in Italien funktioniert so: Erst werden die Politiker aus den Prozessen entlassen, um die wirklich Kriminellen zu verurteilen, dann kommen auch diese frei."

Alberto da la Chiesa war nur 100 Tage im Amt, sein Tod schockt Italien. Sein Nachfolger bekommt endlich die Sondervollmachten, und am 7. September 1982 wird das Gesetz gegen die Mafia verabschiedet.

Nun ist schon die Mitgliedschaft in der Cosa nostra strafbar. Außerdem kann der Staat den Besitz der Mafia beschlagnahmen. Das neue Gesetz zeigt Wirkung: In den 1980er Jahren werden zahlreiche Strohmänner enttarnt. Unter ihnen sind auch immer wieder mächtige Politiker, wie der Bürgermeister von Palermo.

1987 beginnt in Palermo der "MAXI-Prozess", in dem über 300 Mafiosi verurteilt werden. Wer vor Gericht aussagt, der gilt als Kronzeuge und bekommt eine mildere Strafe und eine neue Identität. Die meisten der Urteile aus dem Maxi-Prozess werden aber doch wieder von der zweiten Instanz aufgehoben. Das ist scheinbar üblich in Italien. Die Richter dort sind von der Mafia gekauft.

Einer der Ankläger im Maxi-Prozess ist Giovanni Falcone. Zehn Tage bevor ein Mafia-Killer ihn erschießt, zeichnet Falcone noch einmal ein Bild von der italienischen Wirklichkeit:

Falcone: "Die Vorstellung eines Frontalkrieges zwischen Politik und Mafia lässt sich schlecht auf die Bekämpfung einer kriminellen Organisation übertragen. Man muss schon zufrieden sein, wenn man die illegalen Aktionen der Mafia auf ein weniger schreckliches Maß reduzieren kann."

Autor: Gábor Halász
   
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Erst im September 1983 wurde ich fast zufällig und eigentlich viel zu spät Eisschnellläuferin.
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